Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.

Albert Einstein (* 1879; † 1955), deutscher Physiker

Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Wir spüren instinktiv längst, dass sich die Menschheit in einer völlig verfahrenen Situation befindet. Inzwischen sollte auch dem letzten Hinterwäldler klar sein: Wenn wir in Zukunft als Menschen auf diesem Planeten anstatt nur zu existieren, miteinander ehrlich, wirklich nachhaltig und gleichberechtigt in und mit der Natur leben wollen, sind tiefgreifende Veränderungen „alternativlos“. Ein lässiges Ausweichen vor den zwingend notwendigen Korrekturen mit Hinweisen auf »Keine Zeit!«, »Wofür haben wir Berufspolitiker?« oder »Ich hab Netflix noch nicht ganz durch!« ist absolut sträflich und letztendlich für uns alle verhängnisvoll.

Willkommen in der Realität!

»Uns geht's doch nicht schlecht!« mag so mancher jetzt sagen. Also weiter wie bisher? Das können wir ganz schnell wieder vergessen. Denn die Reichen und Mächtigen dieser Welt haben längst langfristige Pläne für unsere Zukunft gemacht, und die Umsetzung dieser Pläne ist bereits in vollem Gange. Allerdings ist wohl kaum anzunehmen, dass die Zukunftsvisionen der „oberen Zehntausend“ mit unseren Lebensvorstellungen harmonieren.

Der König sprach zum Priester: »Halte du sie dumm, ich halte sie arm!«

»Panem et circenses« (»Brot und Spiele«), eine Methode politischer oder ökonomischer Machthaber, das Volk von politischen oder wirtschaftlichen Realitäten, Zielen oder Problemen abzulenken, hatte sich schon im antiken Rom bestens bewährt und funktioniert bis zum heutigen Tage perfekt. Sattgefressen von den industriell gefertigten, billigen, aber ungesunden Nahrungsmitteln („Brot“) sitzen wir in der heilen Welt eines rosaroten Plüsch-Kinderzimmers, während die Dauerberieselung im Fernsehen mit ihrem kuscheligen Weichspülen unserer harten Lebensrealität stetig dafür sorgt, dass wir schön brav eingelullt im Reich der Mythen und Legenden der Führungs-Eliten verharren. Hin und wieder werden wir kurz wach und  freuen uns über weltbewegende Großereignisse wie Fußball Bundesliga, BAMBI-Verleihung oder Deutschland sucht den Superstar („Spiele“) und kommen ansonsten nicht mal im Traum auf die Idee, unsere Hintern zu bewegen und die Probleme dieser Welt selbst anzupacken. Die gibt es ja angeblich nur in Afrika, Asien oder sonstwo – auf alle Fälle weit, weit weg.

Wahre Worte von Christoph Sieber – Wacht auf!

Dringende Warnung! Wenn du jetzt weiterliest, könnten einige deiner Illusionen wie Seifenblasen zerplatzen.

Die nachfolgenden Beispiele demonstrieren überdeutlich, wie krass die vermeintlich „heile“ Welt, wie wir sie so gerne durch die rosarote Brille der Leitmedien sehen, von der ungeschminkten Realität abweicht. Dabei hat sie uns längst eingeholt, diese grausame Realität – ob uns das nun gefällt oder nicht.

Anmerkung: Soweit sich die nachfolgenden Beispiele auf Deutschland beziehen, so sind diese größtenteils auf nahezu jede westliche Industrienation übertragbar.

Einkommen, Renten, Wohneigentum und Sozialstaat in Deutschland

Mythos: „Uns“ geht's doch finanziell gut! Deutschland ist schließlich das viertreichste Land der Welt1. Und „wir haben jetzt einen funktionierenden Sozialstaat … den wir auch weiterentwickeln können.“ (Andrea Nahles)

Fakten: Deutschland ist vielleicht das viertreichste Land der Welt. Davon bekommt nur die breite Masse der Bevölkerung nichts ab. Trotzdem akzeptieren die Deutschen klaglos ihren Status als Bewohner eines Niedriglohnlandes2, ein im europäischen Vergleich erbärmliches Rentenniveau, eine extrem niedrige Besitzquote an Wohneigentum3 und die die weltweit höchsten Energiekosten für private Haushalte4 infolge einer missratenen Energiepolitik, die sie sich dann selbst auch noch als »Wende« schönreden. Was hingegen – das muss man neidlos anerkennen – hervorragend funktioniert, ist die Gehirnwäsche des öffentlich rechtlichen Staatsfernsehens, das jeden Tag aufs Neue oben genannten Mythos konserviert.

Was unseren Sozialstaat betrifft, kann man gewiss unterschiedlicher Meinung darüber sein, wie gut dieser funktioniert. Richtig ist: Es gibt in Deutschland „soziale Sicherungssysteme“. Und: Ja, diese sind im Vergleich zu anderen Ländern beachtlich. Doch da geht das Problem schon los. Was heißt: Im Vergleich zu anderen Ländern? Die Realität ist: Trotz des hochgelobten Sozialsystems in diesem Land gibt es Armut und Leid. Viel Leid – bedingt durch eben eine Armut, der der „funktionierende Sozialstaat“ nicht entschieden genug entgegentritt. Anzeichen für die Schieflagen des Sozialstaates gibt es viele. Gerade von einer sozialdemokratischen Partei wäre zu erwarten, dass ihre Repräsentanten sich für ein starkes soziales Sicherungssystem einsetzen und nicht die Wirklichkeit beschönigen, indem sie von einem „funktionierenden Sozialstaat“ faseln, während gleichzeitig Verteilungskämpfe an den Tafeln um abgelaufene Lebensmittel ausgetragen werden.

»Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.«

Während konservative Kreise nach wie vor gerne die Ansicht vertreten, jeder sei seines Glückes oder Peches Schmied, – völlig unabhängig von seiner Herkunft, ganz gleich, ob er zum Rennen an die Spitze aus den Suburbs oder den Slums antritt, ob im Ferrari oder in Sandalen – ist die deutsche Sozialdemokratie von international beispielloser Gnadenlosigkeit: Deutlich machen das die Aussagen der sozialen Parteivorsitzenden im Zuge der Durchsetzung der Hartz-IV-Gesetze: »Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.« (Franz Müntefering) sowie die Tatsache, dass die Sanktionen, die gegen Hartz-IV-Empfänger verhängt werden, zu einem Drittel Haushalte treffen, in denen Kinder leben. Von den 954.000 Sanktionen, die 2017 gegen Leistungsbezieher verhängt wurden, trafen 310.000 Familien mit Kindern.5

Laut Statistischem Bundesamt sind Alleinerziehende ganz besonders von Armut bedroht. Von den vielen Kindern, die in Deutschland in oder ganz knapp an Armut leben, ganz zu schweigen. Ferner sind seit Jahren etwa 20 Prozent der Menschen in der Bundesrepublik von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht – so stellt es ebenso das Statistische Bundesamt Jahr für Jahr aufs Neue fest. Auch Sozialwohnungen fehlen massiv, denn die minimieren sich gewissermaßen jährlich. Etwas mehr als 1,2 Millionen gab es im Jahr 2017 noch – das waren 46.000 weniger als noch 2016.6

Das herausragende Deutschland und seine internationale Vorbildfunktion

Mythos: Die Deutschen werden in vielen Bereichen international als großes Vorbild wahrgenommen und sind richtungsweisende Vorreiter in wichtigen globalen Fragen wie z.B. Energiepolitik, Asylpolitik Umweltschutz, Verkehrspolitik, und Klimaschutz.

Fakten: Die Deutschen sind tatsächlich in vielerlei Hinsicht herausragend: herausragend verwöhnt, herausragend ängstlich, herausragend obrigkeitshörig, herausragend sentimental und herausragend verlogen. Worte, Fernsehbilder und Zahlen legen davon beredt Zeugnis ab, nicht nur mittels geschönter Energiebilanzen der Jahr für Jahr mehr Kohle verfeuernden Windradaufsteller, die neben den Bewohnern der USA global den meisten Müll pro Kopf produzieren (und exportieren). Die Deutschen sind aber nicht nur in dieser Hinsicht konsequent inkonsequent. Sie kaufen sich Stofftiere, um Knut und alle anderen Eisbären zu retten, und anschließend ein neues Auto. Die Deutschen begrüßen alle Flüchtlinge am Bahnhof1 (mit Knut-Stofftieren) und schauen dann weg, wenn Frontex2 richtig loslegt. Die Deutschen bewundern Naturschützer dafür, dass sie bedrohte Arten auf der Roten Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze persönlich und unter Einsatz ihres Lebens vor den Aussterben retten. Gleichzeitig erstarren sie in Ehrfurcht vor Elon Musk (er ist ja schließlich einer der drei Reichsten der Welt) und bejubeln in Brandenburg enthusiastisch die neue Tesla-Giga-Factory, die mit 530.000 Quadratmeter größte Fabrik der Welt. Unter frenetischem Applaus blendet der von der neuen E-Mobilität begeisterte Deutsche ebenfalls aus, dass das Werk mitten in einem Trinkwasserschutzgebiet liegt und dort mit einem Wasserverbrauch von schlappen 400.000 Litern pro Stunde bereits in der ersten Ausbaustufe allein ca. 30 Prozent der dortigen Wasserressourcen verbraucht und die Trinkwasserversorgung dort langfristig massiv gefährdet.3 Die Deutschen sind auch hervorragend leidensfähig, weshalb sie obendrein seelenruhig dem Bau eben dieser Tesla-Giga-Factory (die schafft Arbeitsplätze!) zusehen, für die es noch gar kein schlüssiges Verkehrskonzept gibt, wie Mitarbeiter, Materialien und Produkte von und zu diesem Werk mitten im Grünen gelangen sollen4. Die Deutschen sind weltweit bekannt für ihre Ingineurskünste. Das beweist geradezu demonstrativ der neue Berliner Flughafen BER.  Die Deutschen schicken ihre Kinder »Fridays for Future« auf die Straße, buchen dann Fernreisen und kaufen Schiffsbeteiligungen sowie jedes Jahr ständig mehr SUVs. Kreuzfahrten gehen sowieso immer, solange man ein Knutstofftier im Koffer hat. Die Deutschen predigen andern besonders energisch Wasser und saufen selbst Wein. Der deutsche Michel schaut Rezos Videos5 und wählt der CDU einen grün lackierten, neoliberal auf strammes Wachstum gerichteten Panzerarm als Regierungsjuniorpartner. Die Deutschen wollen nicht denken, sondern an den Pool, all inclusive. Sie wollen zwecks Selbstoptimierung, wahlweise Selbstverwirklichung, aufs Laufband oder morgens zum taufrischen Sonnengruß6. Und/oder Spaß haben. Tanzen, saufen, vögeln, ansonsten aber – und auch das hebt sie aus der großen Völkergemeinschaft heraus – »nur das Übliche«: Alle zwei Jahre ein neues Auto, angeschafft mit staatlicher Schrottprämienhilfe, nie eine Arztrechnung sehen oder gar selbst bezahlen, Staatsschule und Uni für die Kleinen und Mittleren, staatsversicherten Rentenanspruch und der Rest auch: Vollkasko. Niemand ist so unselbstständig und zugleich verwöhnt wie die Deutschen.

Gut investierte Entwicklungshilfe

Mythos: Die reichen Industrienationen unterstützen durch ihre großzügigen materiellen und immateriellen Leistungen zu Vorzugskonditionen die Entwicklungsländer mit dem Ziel der Förderung der sozio-ökonomischen Entwicklung bzw. Verbesserung der Lebensbedingungen über Know-how-, Technologie- und Ressourcentransfer und eröffnen den Entwicklungsländern damit eine nachhaltige Zukunftsperspektive.

Fakten: Dass alle fünf Sekunden ein Kind verhungert, müsste jeder schon mal gehört haben, interessiert aber kaum einen. Dass jedermann und -frau helfen kann, das zu verhindern, ist ebenso bekannt. Die Staaten und Industrien der Welt unternehmen keinerlei Anstrengungen, das zu tun. Im Gegenteil. Der globalen Gesamtsumme der Entwicklungshilfeleistungen stehen von den Empfängern zu leistende Schuldendienste in zehnfacher Höhe gegenüber1, das heißt, für jeden gespendeten Dollar bekommen die Geberländer aus den von ihnen bedachten Ländern satte zehn Dollar zurück2, nach etwa sechs Wochen ist das Geld also wieder bei uns, das im Verlauf des Restjahres eintrudelnde Zehnfache ist unser Entwicklungshilfegewinn. Konservativ geschätzt. Andere Rechner kommen auf noch günstigere Zahlen: »Die Spenden, die von allen Hilfsorganisationen des Nordens in einem Jahr zusammengebracht werden, sind nach zwölf Tagen wieder bei uns.«3 (Michael Schmidt-Solomon) Unsere Hilfe nimmt aber angesichts global zunehmender Probleme nicht zu, sondern ab, ist also anteilig rückläufig. Wir und die anderen 33 reichsten Nationen dieses Planeten wenden für Entwicklungshilfe nur mehr 0,29 Prozent unseres Bruttoinlandsproduktes auf.4 Damit verfehlt die Gemeinschaft der »Geberländer« ihr selbst gesetztes Minimalziel (0,7 Prozent) gehörig. Die Deutschen aber bleiben noch weit unter diesem Wert und erreichen nicht einmal den OECD-Durchschnitt von 0,4 Prozent. Deutschland, viertreichstes Land der Welt gemessen am Bruttoinlandsprodukt5 und „internationales Vorbild“, erreicht gerade mal beschämende 0,38 Prozent.6

Quellen:

  1. Jean Ziegler, Das Imperium der Schande, (Pantheon 2007), S. 71
  2. »Die Studie Illicit Financial Flows from Developing Countries: 2002-2011 der amerikanischen Forschungsorganisation Global Financial Integrity (GFI) kommt zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2011 durch kriminelle Geschäfte, Korruption und Steuervermeidung 946,7 Milliarden Dollar von Ländern des Südens abgezogen worden sind. Das sind 13,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Zwischen 2002 und 2011 gingen insgesamt, so GFI, 5,9 Billionen Dollar verloren. ›As the world economy sputters along in the wake of the global financial crisis, the illicit underworld is thriving – siphoning more and more money from developing countries each year‹, erklärt dazu GFI-Präsident Raymond Baker. Die Studie baut auf Forschung auf, die GFI zusammen mit der Afrikanischen Entwicklungsbank seit geraumer Zeit durchgeführt hat. GFI hat für die Berechnung die Untersuchungsmethode verfeinert, die nun erstmals Handelsdaten von Re-Exporten aus Hongkong beinhaltet sowie bilaterale Handelsdaten der Länder, in denen diese Daten zugänglich gemacht wurden. Die Zahlen dokumentieren den starken Anstieg der illegalen Finanzströme. Allein die jährliche reale Zunahme um 10,2 Prozent von Abflüssen aus Ländern des Südens übertrifft deutlich den Anstieg des BIPs in den betroffenen Ländern. Darüber hinaus umfassen die 946,7 Milliarden Dollar, die im Jahr 2011 illegal aus Ländern des Südens geflossen waren, etwa die zehnfache Menge der netto 93,8 Milliarden Dollar, die 2011 an diese 150 Länder gezahlt wurden. Das bedeutet nichts anderes, als dass für jeden Dollar, der in Form von Entwicklungszusammenarbeit geleistet wird, etwa zehn US-Dollar über illegalen Kapitalabfluss wieder verloren gehen.«
  3. Vgl. Michael Schmidt-Salomon, Keine Macht den Doofen (Piper 2012), S. 62
  4. »Nach Angaben der OECD betrug die Entwicklungshilfe 2012 rund 125,6 Milliarden Dollar (fast 98 Milliarden Euro). Dies waren demnach 0,29 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Geberländer.« (Zit. n. Handelsblatt, 3.4.2013)
  5. Wikipedia
  6. Deutschland verpasst das Ziel. (Quelle: Statista, April 2014)
Medizinischer Fortschritt, weltweit häufigste Todesursachen, Zivilisationskrankheiten

Mythos: Verbesserte Hygiene, medizinischer Fortschritt in der Vorbeugung (z. B. Impfungen) und der Therapie von Erkrankungen (z. B. Antibiotika) sowie eine gute Nahrungsversorgung haben als wesentliche Errungenschaften der Zivilisation dazu geführt, dass zahlreiche Krankheiten, die in vorindustrieller Zeit häufig waren, heute viel seltener sind und seltener zum Tode führen.

Fakten: Während in den Ländern mit dem niedrigsten Einkommen noch immer Infektionen die Haupttodesursachen sind, sind die weltweit häufigsten Todesursachen heute ischämische Herzkrankheiten (Herzinfarkt, Schlaganfall) und COPD. Laut Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren in 2019 die zehn häufigsten Todesursachen weltweit1:

  1. Ischämische Herzkrankheiten (Herzinfarkt und andere auf Sauerstoffmangel basierende Herzkrankheiten / 16 % / von 2 Millionen in 2000 angestiegen auf 8,9 Millionen in 2019)
  2. Schlaganfall (11 %)
  3. Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD / 6 % / Hauptursache der COPD ist aktives oder passives Rauchen2)
  4. Infektionen der unteren Atemwege (z.B. wie Bronchitis oder Lungenentzündung / Besonders gefährdet für Infektionen der unteren Atemwege sind Patienten mit einer eingeschränkten Körperabwehr bzw. einem beeinträchtigten Immunsystem, ältere Menschen sowie Patienten mit strukturellen Lungenerkrankungen wie der COPD3)
  5. Neonatale Erkrankungen (mit der menschlichen Geburt in Zusammenhang stehend)
  6. Luftröhrenkrebs, Bronchialkrebs, Lungenkrebs (Auch hier ist die Hauptursache wieder das Rauchen4)
  7. Alzheimer-Krankheit und andere Demenzerkrankungen (Welche Ursachen für die Alzheimer-Krankheit verantwortlich sind, ist bis dato unklar.5 Es gibt bestenfalls Vermutungen zu den Risiko-Faktoren.6)
  8. Durchfallerkrankungen
  9. Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  10. Nierenerkrankungen

Global gesehen waren 7 von 10 der genannten Todesursachen in 2019 nichtübertragbare Krankheiten. Diese sieben Ursachen machten 44 % aller Todesfälle der Top 10 aus. Alle nichtübertragbaren Krankheiten – also auch die nicht in den Top 10 aufgeführten – waren im Jahr 2019 für insgesamt 74 % der Todesfälle weltweit verantwortlich. D.h. diese Krankheiten gehen nicht auf das Konto mangelhafter Hygiene.

Dem aufmerksamen Leser wird sofort auffallen, dass ein großer Teil der genannten Todesursachen schon längst nicht mehr in der Liste der häufigsten Todesursachen stehen müssten,

  • wenn die »wesentlichen Errungenschaften der Zivilisation« schon überall in der Welt angekommen wären.
  • wenn alle Menschen gesund leben könnten – gesund arbeiten, sich gesund ernähren, ausreichend Zeit für körperliche und geistige Erholung. Das führte unweigerlich zu einem wehrhaften Immunsystem.
  • wenn die Menschen nicht mehr rauchen würden. Leider bezahlen die Kosten für die daraus resultierenden Krankheiten nicht die Verursacher. Denn dummerweise ist das Rauchen weltweit so oder so ein extrem lukratives Geschäft. Erst verdient die Zigarettenindustrie. Sind die Raucher dann krank geworden, werden sie über die sogenannten „Gesundheitssysteme“ versorgt. Letztere wiederum werden über die Krankenkassenbeiträge aller – also auch der Nichtraucher – bezahlt. Schon wieder ein Bombengeschäft. Diesmal für die Gesundheits- und Pharmaindustrie.
  • wenn weltweit annähernd die gleichen Lebensbedingungen und Hygienestandards etabliert wären wie in der „ersten“ Welt.

Wenn diese „erste“ Welt, zu der wir zweifellos gehören, wirklich Interesse an solchen grundlegenden Verbesserungen hätte, hätte sie in den letzten Jahrzehnten sowohl ausreichend Zeit als auch Geld zur Verfügung gehabt, diese Veränderungen herbeizuführen. Stattdessen ist der medizinische Fortschritt bis heute noch längst nicht überall angekommen. Dies lässt sich auch überdeutlich an den Zahlen der WHO ablesen, wenn man die häufigsten Todesursachen in einkommensschwachen Ländern mit denen in einkommensstarken Ländern vergleicht. In letzteren nahm die relative Häufigkeit von Krankheiten zu, die man in vorindustrieller Zeit kaum kannte. Gesundheitsgefährdend oder gar verantwortlich für die sogenannten Zivilisationskrankheiten ist jedoch nicht etwa der mit der fortschreitenden Zivilisation einhergehende technische und medizinische Fortschritt, sondern manche, in industrialisierten Ländern verbreitete Lebensstile, Verhaltensweisen, Umweltfaktoren und Ernährungsgewohnheiten.

Eine Ursache findet sich möglicherweise in der offiziellen Ernährungsempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) »wenig Fleisch und tierische Fette zu essen, sowie mehr als 50 % der Kalorien aus langkettigen, langsamen und vollwertigen Kohlenhydraten zu decken«. Diese offizielle – aber falsche, weil entzündungsfördernde und gesundheitsgefährdende – Empfehlung zur „optimalen“ Ernährung wird von der DGE und den sogenannten Ernährungsberatern gebetsmühlenartig wiederholt, so dass sich in den Köpfen der Menschen der Mythos vom »gesunden Vollkornbrot und schlechten Fett« eingeprägt hat. Während die DGE nach eigenen Angaben »keine evidenzbasierte Begründung für die optimale Energiewerte der energieliefernden Nährstoffe« hat, empfiehlt sie uns heute im Großen und Ganzen noch immer das „arme-Leute-Essen“ wie es 1859 der niederländische Physiologe und Arzt Jakob Moleschott beschrieben hat.7 Dabei haben sich unsere Arbeits- und Lebensgewohnheiten seit 1859 drastisch geändert. Was die DGE dabei entweder völlig übersieht oder uns verschweigt: Bei Einhaltung der Empfehlungen nehmen wir sehr viel Stärke zu uns. Stärke ist – das weiß jeder, der in Chemie aufgepasst hat – „zusammengeklebter“ Traubenzucker. Die in der Stärke „versteckten“ Unmengen an Zucker, die wir damit regelmäßig essen, führen am Ende zu Krankheiten bzw. Beschwerden wie z.B. Reizdarm-Syndrom, Diabetes mellitus, Übergewicht, Fettleber, Rheuma, Depression, Rückenschmerzen und Tumoren.8

Mal ehrlich: Würden wir daran grundlegend etwas ändern, hätten wir vielleicht tatsächlich weniger (Zivilisations-)Krankheiten. Dann gäbe es aber auch weniger Profite für alle, die bis heute fleißig in diesem buchstäblich kranken System abkassieren: die Lebensmittelindustrie, Ernährungs- und Diätberater, Fitnessstudios, Ärzte, Heilpraktiker, Therapeuten, Apotheker, Kliniken, Krankenkassen und viele mehr. Das kann doch niemand wollen, die müssen ja auch von was leben, oder? Stimmt! Doch anstatt an unseren Krankheiten sollten sie daran verdienen, uns gesund zu machen und zu halten.

Die (Un)abhängigkeit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Forschung
Erste Seite eines Artikels auf der Website deutschlandfunkkultur.de zum Thema »Unabhaengigkeit der Weltgesundheitsorganisation«

Mythos: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie namhafte Universitäten sind unabhängig und beraten Regierungspolitiker in Sachen Gesundheitsvorsorge auf Basis der Erkenntnisse unabhängig forschender Wissenschaftler.

Fakten: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird mittlerweile zu 80 Prozent von privaten Geldgebern und Stiftungen finanziert. Größter privater Geldgeber ist die Bill und Melinda Gates Stiftung. Seit der Jahrtausendwende hat die Gates-Stiftung der WHO insgesamt 2,5 Milliarden Dollar gespendet. Ohne Bill Gates und die von ihm so großzügig unterstützte WHO1, die von ihm unterstützte Johns Hopkins University2, die von ihm unterstützten Professoren Christian Drosten/Charité3 und Neil Ferguson/Imperial College London4 sowie unserer allzeit wachsam und ausführlich berichtenden Leitmedien (ebenfalls reich von Bill Gates unterstützt) wüssten 7,8 Milliarden Menschen vielleicht bis heute nichts von der herrschenden Corona-„Pandemie“, sondern würden noch immer völlig ungeschützt im Dunkeln tappen und irrtümlich annehmen, die »Grippe« wüte dieses Jahr schlimmer als in anderen schlimmen Grippejahren.

Es ist also geradzu blauäugig, mit diesem Wissen anzunehmen, die WHO sei unabhängig und die Forschung völlig frei und ergebnisoffen5.

Quellen:

  1. Thomas Kruchem, »Die WHO am Bettelstab: Was gesund ist, bestimmt Bill Gates«; SWR 2017: »Die Weltgesundheitsorganisation WHO wird mittlerweile zu 80 Prozent von privaten Geldgebern und Stiftungen finanziert. Größter privater Geldgeber ist die Bill und Melinda Gates Stiftung. Seit der Jahrtausendwende hat die Gates-Stiftung der WHO insgesamt 2,5 Milliarden Dollar gespendet.«
  2. »Die Gates Foundation hat […] auch die Johns Hopkins University großzügig bedacht. Im Laufe der Jahre kamen da so an die 200 Millionen Dollar zusammen – Zwecke: Public Health und Familienplanung.« (Walter van Rossum, Meine Pandemie mit Professor Drosten, Rubikon 2020, S. 107). Das sehr schön und aufwendig gestaltete Covid-19-Pandemie-Dash-board der JHU dient bereits seit 22. Januar 2020 als das weltweite Pandemiethermometer: »Am 1. Februar gab es außerhalb Chinas weniger als 200 angeblich mit ›Covid-19‹ infizierte Fälle.« (ebd., S. 140). Auch hier ist die vorausschauende Wachsamkeit zu loben, denn so was Komplexes programmiert man ja nicht über Nacht."
  3. »Der Charité wurden von Bill & Melinda 2019 und 2020 insgesamt über 300.000 Dollar überwiesen.« (ebd., S. 107). Alles Weiterreichende findet sich en detail in Walter van Rossums gründlich recherchiertem Buch.
  4. Leiter des Covid-19 Response Team des Imperial College, seit Jahrzehnten gestandener Pandemiefolgen-Modellierer (»Die Autoren des »COVID-19 Reponse Teams« lassen keinen Zweifel: Ohne radikale Maßnahmen wird es in Großbritannien ca. 500.000 Tote und in den USA sogar 2,2 Millionen Tote binnen drei Monaten geben.«). Die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung ließ dem IC allein 2020 79 Millionen Dollar zukommen, in den letzten zehn Jahren waren es insgesamt 179 Millionen Dollar. (ebd., S. 195f).
  5. Die (Un)abhängigkeit bzw. das Dilemma der WHO
Das privatisierte, gewinnmaximierte und korrupte „Gesundheits“wesen
Titelbild des Grundsatzpapiers von Transparency Deutschland - »Transparenzmängel, Korruption und Betrug im deutschen Gesundheitswesen«

Mythos: Wir haben – insbesondere in Deutschland – ein funktionierendes Gesundheitswesen, das im Vergleich zu anderen Ländern der Welt eine überdurchschnittlich gute medizinische Versorgung aller Bürger gewährleistet.

Fakten: Die Finanzierung von medizinischer Versorgung stützt sich längst nicht mehr allein auf die Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Vielmehr ist sie eine Summe aus Krankenkassenbeitrag, Zusatzversicherung, Zuzahlungen zu Leistungen der GKV sowie Bezuschussungen des Gesundheitsfonds durch den Bund. Während unsere Beiträge zur GKV in den Jahren von 1975 bis 2009 von 10,5 Prozent auf 15,5 Prozent stiegen, sind sie seitdem nahezu unverändert geblieben1. Die Kosten für die gesundheitliche Versorgung hingegen haben sich in den letzten Jahren erheblich erhöht. Zurückgeführt wird die Erhöhung unter anderem darauf, dass der medizinische Fortschritt seinen Preis hat und auch manches Unternehmen sehr teuer abrechnet. Hinzu kommt die demoskopische Entwicklung der Bevölkerung – im Klartext: unsere Gesellschaft wird immer älter, und die medizinische Versorgung alter Menschen kostet mehr.

Mit der Bildung des 2009 eingeführten Gesundheitsfonds sollten eigentlich die Deckungslücken bei den gesetzlichen Krankenkassen geschlossen werden. Im Gesundheitsfonds fließen die Beiträge der Kassen zusammen. Darüber hinaus zahlt der Bund Zuschüsse in Höhe von mehreren Milliarden Euro pro Jahr in den Fonds ein. Doch leider kommen diese Milliarden nicht bei uns Patienten an. Das Ganze ist eine „Mogelpackung“: gleicher Preis, aber weniger drin. Während zwar die Beiträge zur GKV annähernd gleichbleiben, erhalten wir als Patienten stetig weniger Leistungen. Für Leistungen, die früher wie selbstverständlich von der GKV bezahlt wurden, müssen wir nun selbst aufkommen und diese entweder – wie Privatpatienten – selbst bezahlen oder über sogenannte Zusatzversicherungen abdecken. Wo bleiben also die Milliarden, wenn sie offensichtlich nicht bei uns ankommen?

Insgesamt versickern nach Angaben einer Schätzung von Transparency International (TI) zwischen sechs und 20 Milliarden Euro in dunklen Kanälen des deutschen Gesundheitswesens – Korruption, professorale »Mietmäuler«, Software, die Ärzten immer die Medikamente einer bestimmten Pharmafirma empfiehlt. Dass auf diesem Markt nicht alles in Ordnung ist, zeigt sich auch daran, dass die Pharmaindustrie laut TI über fünf Milliarden Euro für Marketing ausgibt, aber nur 1,5 Milliarden Euro für direkte Forschung. Von 400 Medikamenten, die seit 1990 auf den Markt gekommen sind, seien nur sieben »echte« Innovationen gewesen, während die anderen »Me-Too-Präparate« bei gleichem Behandlungserfolg oft mehr als 60-mal so teuer seien2.

Diagramm: von 1991 bis 2019 kontinuierlich abnehmende Anzahl der Krankenhäuser in Deutschland

Die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung hat der Staat längst aus der Hand gegeben. Das komplette Gesundheitswesen vom Arzt über den Apotheker bis hin zum Krankenhaus ist längst privatisiert und – ohne funktionierende Aufsicht und Kontrolle des Staates – ausschließlich gewinnorientiert. Wichtige medizinische Leistungen, die sich finanziell nicht mehr lohnen, werden gar nicht mehr erbracht, während den Patienten gleichzeitig jede erdenkliche Behandlung empfohlen wird, solange sie gut bezahlt ist. Selbst wenn sie bereits erbracht wurde. Wem ist es nicht schon passiert, dass ein Arzt z.B. – ohne lange zu fackeln und trotz des erneuten Strahlenrisikos für den Patienten – ein neues Röntgenbild anfertigen lässt, obwohl es ein aktuelles gäbe, das man beim Kollegen (der vielleicht auch noch die Überweisung an den Facharzt in die Wege geleitet hat) lediglich rechtzeitig anfordern müsste. Die Apparate müssen sich schließlich möglichst schnell amortisieren. Gleichzeitig bietet das Gesundheitssystem zweifelhafte ökonomische Anreize, die hinterfragt werden müssen, wie z.B. Prof. Dr. med. Michael Hallek, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) bemerkt: »Das Gespräch mit dem Patienten ist eine wichtige ärztliche Tätigkeit, die künftig besser honoriert werden muss, auch wenn der Arzt anschließend keine weitere Untersuchung anordnet oder kein Medikament verschreibt.«3

Auch Kliniken werden ausschließlich betriebswirtschaftlich geführt und betrieben. Um eine flächendeckende Grundversorgung geht es hier längst nicht mehr. Unrentable Bereiche oder gar Kliniken werden kurzerhand geschlossen. Das Kliniksterben ist politisch gewollt, wird empfohlen von Gesundheitsökonomen und befeuert von ihren Gutachten.4 Ein bundesweiter Fonds über bis zu 750 Millionen Euro jährlich fördert die Konzentration auf große Standorte. Selbst 2020, im Jahr eins des Corona-Zeitalters, wurden 21 Kliniken deutschlandweit vom Netz genommen. Von 30 weiteren Krankenhäusern ist bekannt, dass ihnen die Schließung droht oder ihr Aus schon abgemachte Sache ist. Der Abbau hat in den zurückliegenden Jahren an Fahrt aufgenommen. Während es 1991 im gerade vereinten Land 2411 Kliniken gab, waren es 2018 noch 1925, zwölf Monate später nur noch 1914 Krankenhäuser in Deutschland.5

Unser sogenanntes „Gesundheits“wesen ist ein buchstäblich krankes System. Denn alle Vertreter dieses Systems – Ärzte, Heilpraktiker, Therapeuten, Apotheker, Kliniken, Krankenkassen und viele mehr – machen fleißig Profite mit unseren Krankheiten, anstatt dafür bezahlt zu werden, wie gut sie uns gesund machen und halten. Finde den Fehler!

Quo vadis, Menschheit?

So viel zu unserer Vergangenheit und Gegenwart. Und wie steht's um unsere Zukunft? Die ist weder bereits geschrieben noch vorbestimmt. Wir können bestenfalls Pläne für die Zukunft machen. Doch haben wir selbst welche? Und – falls ja – wie sehen diese aus? Machen wir weiter wie bisher? Oder wagen wir endlich einen radikalen Neustart? Glauben wir ernsthaft, dass es bei all den seit Jahrzehnten, ja vielleicht sogar seit Jahrhunderten ungelösten massiven Problemen auf diesem Globus ausreicht, ein paar „Schönheitsreparaturen“ vorzunehmen? Es ist völlig unrealistisch zu erwarten, ein Baum mit völlig verfaulten Wurzeln würde viele schöne Früchte tragen. Ebenso weltfremd und naiv ist es anzunehmen, dass wir auf dem Fundament der seit Jahrhunderten andauernden Plutokratie („Geld regiert die Welt“) durch ein paar Korrekturen die Welt dahingehend verändern könnten, dass weltweit alle Menschen gleichberechtigt, friedlich und in Wohlstand zusammenleben können.

Die fatale Untertanenmentalität allzu vieler Deutscher lässt der Politik freie Hand

So oder so stellen wir jeden Tag aufs Neue die Weichen für unser Leben. Viele Entscheidungen werden uns gleich „abgenommen“, weil wir ja unsere Stimme „abgegeben“ haben. Die treffen unsere Mandatsträger, die bis zur nächsten Stimmabgabe gar nicht mehr nach unseren Interessen fragen. Dabei ist uns gar nicht bewusst, dass ausnahmslos alle diese Entscheidungen – ob sie von uns oder von anderen getroffen werden – Auswirkungen haben auf uns und unsere Welt, in der wir leben. Denn alles hängt mit allem zusammen. Doch machen wir uns nichts vor. Während wir noch in unserer Komfortzone sitzen bleiben und gar keinen Bedarf sehen, uns über unsere Zukunft große Gedanken zu machen, sind die Reichen und Mächtigen dieser Welt schon seit vielen Jahren dabei, ihre Pläne für unsere Zukunft in die Tat umzusetzen.