Die fantastische Inszenierung einer aufgeklärten Gesellschaft als Grundlage zu deren grenzenlosen Manipulation ist womöglich das größte Verbrechen in der Geschichte der Menschheit.

Als Menschen handeln wir rational. Das unterscheidet uns von allen anderen Lebewesen auf der Welt. Unser Handeln ist vernunftorientiert. Wir können Fakten objektiv bewerten und dann entscheiden, wie wir handeln und wen oder was wir unterstützen wollen – oder eben nicht. Tatsächlich?
Tatsächlich gelingt es uns Menschen kaum, uns den vielfältigen Formen der Manipulation zu entziehen. Während wir oft ebenso überzeugt wie naiv der Meinung sind, wir würden objektiv bewerten und rational handeln, sind wir längst das Opfer bewusst vorbereiteter und professioneller angewendeter Manipulationsmethoden, die allesamt eines gemeinsam haben: sie bleiben uns unbewusst, weil sie auf subtile Art ganz gezielt unser Unterbewusstsein adressieren.
Wer die unterschiedlichen Manipulationsmethoden jedoch kennt, hat deutlich bessere Chancen, Manipulationen zu erkennen. Je früher wiederum eine Manipulation erkannt wird, desto größer die Chance ihr sogar zu widerstehen.
Manipulation durch Wiederholung
Bestes Beispiel für diese Form der Manipulation sind die täglichen Werbesendungen im Fernsehen und Radio: Niemand käme auf die Idee, einen Werbespot nur ein einziges Mal zu senden. Je öfter wir mit bestimmten Produkten, Begriffen, Bildern oder im Spot dargestellten Situationen konfrontiert werden, desto eingängiger und selbstverständlicher werden sie für uns. Schließlich erscheint uns das Neue vertraut, was uns wiederum aufgeschlossener macht.
Ebenso verhält es sich mit Aussagen, die wir nicht objektiv bewerten können: Wird etwas nur immer und immer wieder wiederholt, führt das zur sogenannten „Gehirnwäsche“, und wir glauben am Ende alles. Stammen die Aussagen dann auch noch von Autoritätspersonen oder werden mit Emotionen (z.B. Angst oder Neid) vermischt, erhöht das erheblich unsere Bereitschaft, die Aussage als wahr anzuerkennen – völlig unabhängig von der tatsächlichen Faktenlage.
Manipulation durch Erzeugen von Angst
Wir Menschen sind sehr emotionale Wesen, auch wenn wir noch so sehr glauben, wir wären objektiv. Wir reagieren ständig auf Emotionen, da sie schlicht und einfach zu unserer alltäglichen Kommunikation dazugehören. Angst ist eine Emotion die wiederum den logischen Verstand ausschalten lässt. Bekommen wir Angst, schaltet sich sofort unser Reptiliengehirn ein, welches für die Reaktionen Angriff, Flucht oder Totstellen zuständig ist. Dieser Bereich unseres Gehirns übernimmt die Kontrolle, wenn es um unser blankes Überleben geht.
Wohl am beliebtesten und erfolgreichsten ist deshalb die Manipulation über das Gefühl der Angst. Sie lähmt das logische Denken, verstärkt sich mit der Zeit fast wie von selbst und funktioniert besonders gut in großen Massen (Massenhysterie). Je größer dabei die schrecklichen Konsequenzen eines bestimmten Verhaltens ausgemalt werden, desto größer wird unsere Angst vor diesen vermeintlichen Folgen (selbst wenn wir uns objektiv überhaupt nicht in Gefahr befinden!). Nahezu alle Manipulatoren verstärken den beschriebenen Effekt auch noch, indem sie darüber hinaus einen Zeitdruck vermitteln: ,»Schon in einem Jahr kann es zu spät sein!« – »,Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir alle sterben!« – ,»Wenn du das jetzt nicht machst, wirst du schon sehen.« usw.
Manipulation durch Herdentrieb
Auch wenn wir es nicht gerne wahrhaben wollen: wir sind nun mal Herdentiere. Wir können nicht dauerhaft alleine sein, ohne ernsthafte Schäden davon zutragen. Regelmäßig senden wir Signale an unsere Umwelt, bekommen auch Signale zurück und reagieren darauf. Das ist (über-)lebenswichtig für uns. In Zeiten der Menschheitsentwicklung, in der es noch Säbelzahntiger und Mammutjagden gab, entschied eine reflexartige Reaktion (Weglaufen oder Totstellen) oft über Leben oder Tod. Wer in dieser Zeit ohne zu überlegen dem ersten nachgerannt ist, der plötzlich vor dem Säbelzahntiger weglief, hat überlebt. Wer abwartete, weil er sich erst selbst ein Bild davon machen wollte, was da tatsächlich im Gebüsch lauerte, konnte das Ergebnis seiner Beobachtung hingegen – wenn es dumm lief – niemandem mehr erzählen. Das reflexartige Nachahmen des Verhaltens unserer „Herde“ ist also Teil unserer evolutionären Entwicklung und läuft völlig unbewusst in unserem „Reptiliengehirn“ ab. »Unbewusst«! – Das heißt: völlig ohne Beteiligung unseres (evolutionär gesehen) wesentlich jüngeren und weiter entwickelten Großhirns.
Weiter oben wurde beschrieben, wie ein Gefühl der Angst zur Massenhysterie werden kann. Wenn es ein Manipulator schafft, uns durch das Erzeugen von panischer Angst in den Überlebensmodus zu versetzen, fragen wir nicht mehr nach dem Warum, sondern sind und glauben was man uns erzählt. Und wenn es auch noch „alle“ machen und für richtig halten, dann muss das doch auch alles stimmen, oder nicht? Dann kann es doch nicht falsch sein. Wenn alle um uns herum wegrennen, dann wird da schon irgendwo ein Säbelzahntiger sein.
In der „Herde“ geben wir schnell mal unsere Eigenverantwortung und unser logisches Denken auf. Bevor es Lügner gab, war das auch bestimmt sehr sinnvoll. Doch wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir über diesen Mechanismus dazu bewegt werden können, etwas zu tun, das nicht uns selbst, sondern den Interessen anderer dient. Etwas, das wir niemals tun würden, wenn wir die Fakten tatsächlich objektiv bewerten und danach entscheiden würden, wie wir handeln und wen oder was wir unterstützen wollen – oder eben nicht.
Manipulation durch Framing, Euphemismen und Dysphemismen
Durch die Erkenntnisse der modernen Neuro- und Kognitionsforschung ist die Annahme der klassischen Vernunft massiv ins Wanken geraten. Einer der Punkte, der unsere Vorstellung von sprachlicher Beeinflussung verändert hat, ist das so genannte Framing.1 In Bezug auf politische Debatten überzeugen weniger die Inhalte, sondern vielmehr wie diese präsentiert werden.2
Wer die eigene Position positiv darstellen möchte, verwendet Euphemismen.3 Wer hingegen die Gegenseite möglichst schlecht charakterisieren will, verwendet Dysphemismen.4 Das heißt, ein zunächst neutraler Sachverhalt wird durch positive oder negative Adjektive und Nomen verändern.
positiv | negativ |
---|---|
Protestant | Ketzer |
in Geahrsam bringen | einsperren |
Fehltritt | Ehebruch |
Geistlichkeit | Pfaffen |
genial | katastrophal |
fantastisch | unter aller Sau |
sensationell | höllisch schlecht |
Arbeitsloser | Hartzer |
Steueroase, Steuerparadies | Steuerflüchtling |
Die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden.
Schublade auf, Schublade zu: Wer auf Fleisch verzichtet, gilt als Umweltaktivist und wer einen ganzen Kleiderschrank voller Schuhe hat, wird schnell als Mode-Freak bezeichnet. Auch in der Sprache können bestimmte Begriffe oder Phrasen solche Vorurteile und Bilder im Kopf auslösen. Dieser sogenannte Framing-Effekt wird teilweise bewusst genutzt, um Ansichten zu transportieren und auf subtile Weise zu manipulieren.
Wenn Worte Bilder im Kopf auslösen
Obige Beispiele zeigen deutlich, wie Wörter werten und ganz bestimmte Emotionen hervorrufen. Gleichzeitig werden einzelne Schlagworte beim Framing immer wieder mit bestimmten Themen in Zusammenhang gebracht – bei jedem Schlüsselwort entsteht automatisch eine Reihe an Bildern in unserem Kopf. Hören wir beispielsweise das Wort »Erfolg« verbindet der Eine damit einen Sieg beim Fußballspiel, der Andere zum Beispiel eine Beförderung. Dabei bilden sich sogenannte Deutungsrahmen. Frames sind also sprachliche Rahmen, die einer Information, einer Zahl, einem Fakt, einem Motiv einen bestimmten Sinn geben. Dieser Prozess des Einrahmens ist völlig normal und läuft unbewusst ab. Damit wir uns trotz aller Reize und Eindrücke in unserem Alltag zurechtzufinden, konzentrieren wir uns ganz instinktiv auf einzelne Schlüsselinformationen, die wir bereits kennen. Ein Frame beeinflusst also unsere Wahrnehmung der Realität und welche Informationen bei uns hängen bleiben.
Das gilt auch für einzelne gesprochene Worte. Denn Sprache verstehen bedeutet, Inhalte gedanklich zu simulieren. Worte rufen hierbei Erinnerungen, Gefühle und Gedanken in uns hervor. So denken wir beim Namen »Theodor« vermutlich an einen älteren Herrn, weil der Name für uns altmodisch klingt. Dasselbe gilt für Verben: mit »stolzieren« beispielsweise verbinden wohl die meisten eine auffallend aufrecht gehende Person mit hochgezogenen Schultern und in die Höhe gereckter Nase.
Manipulation durch Framing
Gerade weil jeder Mensch tagtäglich derart denkt, kann Framing auch bewusst zur Manipulation genutzt werden: Zwei Sätze können so formuliert sein, dass ihre Information zwar die gleiche ist, aber jeweils eine andere Vorstellung beim Zuhörer auslöst. Beispielsweise klingt die Aussage »Hergestellt aus 30 Prozent recyceltem Plastik« wesentlich besser als »Hergestellt aus 70 Prozent neuem Plastik«. Auch das Versprechen »Mit diesem Medikament können 200 von 600 Menschen gerettet werden« löst andere Assoziationen aus als die Aussage, dass 400 von 600 Menschen trotz der Einnahme des Medikaments sterben werden.
Bei Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge spricht man von Verlust-Framing: So wird zum Beispiel auch der Satz »Wer raucht, stirbt schneller« dem sogenannten Loss-Frame zugeordnet – denn dieser löst bei der adressierten Person Verlustängste aus und schreckt ab. Wenn es um Prävention geht, haben jedoch Botschaften mehr Erfolg, die die positiven Effekte der gewünschten Verhaltensänderung betonen. »Wer nicht anfängt zu rauchen, lebt länger« wäre also ein Beispiel für dieses positive Gain-Framing. Im Zuge der Corona-„Pandemie“ wäre die entsprechende Botschaft: »Wer Abstand hält, senkt sein Ansteckungsrisiko«.
Re-Framing in Corona-Zeiten
Seit 2020 findet insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-„Pandemie“ auch ein sogenanntes Re-Framing statt, indem – teilweise sogar durch völlig neue Wortschöpfungen – bestimmte Begriffe und die damit verbundenen positiven Assoziationen bewusst ins Negative verschoben werden.
vor Corona | seit Corona |
---|---|
Kritiker | Leugner |
Querdenker | Nazi |
Kritik an politischen Enscheidungen | Antisemitismus |
Grundgesetz verteidigen | Staatsgefährdung |
gesund | symptomlos erkrankt |
Solidarität | Gehorsam |
Unterwürfigkeit | Anstand |
Realist | Verweigerer |
Nähe | Distanz |
positiv getestet | infiziert |
Eigenverantwortung | Egoismus |
Behauptungen | Fakten |
Sachlichkeit | Schwurbeln |
Wahrheit | Verschwörungstheorie |
Informierte Menschen | Aluhut-Träger |
Zensur | Faktencheck |
Lobbyist | Experte |
selbst denken | unsolidarisch |
hinterfragen | asozial |
Toleranz | Ignoranz |
Denunziant | Beschützer |
Gefangenschaft | Ausgangsverbot |
Strafmilderung | Lockerungen |
Grundrechte | Privilegien |
Tyrannei | Maßnahmen |
Machtmissbrauch | Gesundheitsvorsorge |
Diktatur | vorübergehende Einschränkungen der Grundrechte |
Impfkritiker, Impfzwangverweigerer | Impfverweigerer |
genmanipulierende Injektion | Corona-Schutzimpfung |
Sind wir dem Framing schutzlos ausgeliefert?
Wie unterschiedlich stark wir uns durch Framing manipulieren lassen, konnte eine Studie von Forschern der University College London aufzeigen.5 Sie untersuchten dafür die Hirnaktivität ihrer Teilnehmer, während diese Risikoentscheidungen trafen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Probanden verschieden stark durch das Framing beeinflusst wurden – und zwar abhängig davon, wie stark die Gehirnregion durchblutet wurde, die unter anderem an der Handlungsplanung beteiligt ist.
Die Experten schlossen daraus, dass Menschen dem Framing-Effekt nicht schutzlos ausgeliefert sind. Wer sich bewusst macht, was ihm wie präsentiert wird und welche Form des Framings dahinterstecken könnte, ist weniger leicht manipulierbar..
- Framing – wörtlich übersetzt „einrahmen“ – bedeutet, dass unterschiedliche Formulierungen einer Botschaft – bei gleichem Inhalt – das Verhalten des Empfängers unterschiedlich beeinflussen.
- Führend auf dem Forschungsgebiet des „political framing“ ist die deutsche Sprach- und Kognitionswissenschaftlerin Elisabeth Wehling. Mit ihrem Buch „Politisches Framing. Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht“ gelang ihr im Jahr 2016 ein Bestseller.
- Euphemismus: sprachlicher Ausdruck, der eine Person, eine Personengruppe, einen Gegenstand oder einen Sachverhalt beschönigend, mildernd oder in verschleiernder Absicht benennt.
- Dysphemismus: sprachlicher Ausdruck, der über Personen, Dinge oder Sachverhalte eine (oft starke) negative Wertung beinhaltet oder negative Assoziationen zu diesen weckt. Er ist ein Antonym zu Euphemismus.
- Benedetto De Martino, Dharshan Kumaran, Ben Seymour and Raymond J. Dolan: »Frames, Biases, and Rational Decision-Making in the Human Brain«, 04.08.2006