Wir verändern die Dinge nicht, indem wir gegen die bestehende Wirklichkeit kämpfen. Um etwas zu verändern, müssen wir ein neues Modell entwickeln, das das alte Modell überflüssig macht.

Richard Buckminster Fuller (* 1895; † 1983), US-amerikanischer Visionär und Philosoph

Nicht nur für das Team Bill ist der geplante unausweichliche Kollaps eine zwingende Voraussetzung für unsere Zukunft als Sklaven der Mächtigen. Auch für das Team Mensch hat ein solcher Kollaps durchaus etwas Gutes. Denn das alte bestehende, menschenfeindliche und negative System kann niemals zum Positiven verändert werden; genausowenig wie aus einer restlos verfaulten Wurzel ein gesunder Baum wächst. Das ist schlichtweg absurd. Albert Einstein sagte dazu: »Es ist Wahnsinn, immer wieder das Gleiche zu tun, und andere Ergebnisse zu erwarten.« Wir alle bekommen durch diesen Kollaps jedoch die epochale Chance, die menschliche Zukunft in unserem Sinne zu gestalten.

Was wir aus der Krise gelernt haben

Wir haben viel gelernt aus der Krise. Unter anderem – was uns unser gesunder Menschenverstand auch schon vor 2020 gesagt hat – dass Maßnahmen wie Hände waschen, in die Armbeuge husten oder niesen, kranke Kinder zuhause anstatt in die Schule lassen, bei Anzeichen einer Krankheit zuhause bleiben und sich auskurieren, unterm Strich recht effektiv die Verbreitung von Husten, Schnupfen, Heiserkeit und sogar Grippewellen verhindern. Aber all das scheint vor Covid offenkundig kaum bekannt gewesen zu sein. Dank Covid wissen das jetzt alle. Wir haben auch gelernt, dass junge, mittelalte und gesunde Menschen, aber auch alte und sehr alte mit halbwegs intaktem Immunsystem an Covid nicht sterben.1 Wir wissen jetzt, dass unser Immunsystem uns schützt. Und wir wissen sogar, wie wir unser Immunsystem stärken können, eigenhändig, selbstverantwortlich, mittels häufigem Einatmen von frischer Luft, Bewegung, gesunder Ernährung, Nichtrauchen, Nichtsaufen, guter Laune (gelegentlich sogar lautem, gemeinsamem Lachen), menschlicher Nähe sowie ein paar Vitaminen und Spurenelementen zusätzlich uvm. Wir wissen aber auch: Viren können uns gefährlich werden. Viele Viren. Auch Coronaviren. Denn: »Etwa 0,2 Prozent aller Todesfälle bei den 20–29-Jährigen und etwa 1 Prozent bei den 80–89-Jährigen gehen tatsächlich auf COVID-19 zurück.«2. Sofern wir geschwächt sind, vorerkrankt oder schon fast hundert, können Viren uns, sogar töten. Das war schon immer so. Jetzt wissen wir es. Alle.

Schon im April des Jahres 2020, lange bevor sich abzuzeichnen begann, dass der Ausnahmezustand keine Ausnahme sein wird und dass ein größerer Reset geplant und erforderlich ist, um uns alle zu retten, haben wir aber noch etwas gelernt. Schon da ist uns bewusst geworden, dass wir auf Urlaubsfernreisen auch mal verzichten können, ohne umgehend schwere Depressionen zu entwickeln. Dass ein Himmel ohne Kondensstreifen gar nicht so übel aussieht. Dass Atemluft mit weniger Benzin- und Kerosinspuren drin besser riecht und schmeckt. Dass es im Urlaub nicht immer all inclusive in die republikanische Dominique gehen muss, sondern auch gern mal nix inclusive geht, zum Beispiel an die Nordsee.

Und wir haben ein neues Wort gelernt, nebst dessen inhaltlicher Bedeutung: »Systemrelevanz«. Was und wen wir dringend brauchen und auf wen oder was wir getrost verzichten können. Ob wir Künstler, Köche, Kellner und Kosmetikerinnen benötigen, ist hingegen noch zu klären. Und hinsichtlich der Systemrelevanz unserer 40-60 Prozent Bullshitjobber3, darunter etliche unserer behördlichen Verwalter, haben wir die Diskussion qua Weiterzahlung aller Löhne und Gehälter erstmal vertagt bis Mitte 2021 oder 2022. Aber das hat ja auch Zeit und soll uns hier nicht vom Wesentlichen ablenken – der Systemrelevanz. Denn die ist im Verlauf des Jahres vor lauter Streit um PCR-ct-Zyklen, Intensivbettenbelegung und Infektionsschutzgesetzfolgen in den Hintergrund gerückt, also wollen wir sie kurz wieder ins Licht holen, da sie von größter Bedeutung ist für unsere Zukunft.

Obendrein sind wir im April 2020 daran erinnert worden, dass unser systemirrelevantes Treiben offenkundig permanent Ressourcen verbraucht, die wir nicht haben, und bei dieser irrelevanten Verheizung auch gleich noch unsere Atemluft (nicht nur in Wuhan und Norditalien) sowie unseren Kindern die Zukunft wirksam versaut.

Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.

Max Rudolf Frisch (* 1911; † 1991), Schweizer Schriftsteller und Architekt

Was wir wirklich brauchen

Das Märchen vom Bruttoinlandsprodukt4 als Wohlstands-Indikator

Wir haben gesehen, was und wen wir brauchen, um selbst in der Krise gut und gern zu leben in diesem unserem paradiesisch ausgestatteten Land: Wir brauchen Ärzte und Pfleger, wir brauchen Bauern und Erntehelfer, die den Spargel aus der Erde holen, wir brauchen Menschen, die die Ernte (von Karotte bis Klopapier) an den zahlreichen „Ausgabestellen“ verteilen. Wir brauchen die Feuerwehr, die Müllabfuhr und diese Leute mit schicken Mützen, die Gauner jagen uvm.

Was die Produktion von Handfestem betrifft (von Möhre bis Papier), haben wir im April festhalten dürfen, dass nur 25 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland solch Handfestes herstellen.5 Und selbst davon erweist sich bei Betrachtung unterm Krisenlicht das meiste als Luxus oder jedenfalls als leicht verzichtbar. Satte 75 Prozent des hierzulande „Erzeugten“ (von 80 Prozent der deutschen Unternehmen) sind schlicht Dienstleistungen. Der größte Teil dieser wiederum wird geleistet in so „überlebenswichtigen“ Bereichen wie Verwaltung, »Handel mit/Reparatur von Kraftfahrzeugen« sowie Unternehmensoptimierung, Werbung und Marktforschung. Der Anteil der Menschen hingegen, die die Gesellschaft am meisten braucht und die wirtschaftlich am schlechtesten entlohnt werden, also jene, die reale und nützliche Dienste leisten – von Putzen bis Ackern, von Haareschneiden bis Kellnern, liegt seit hundert Jahren unverändert bei etwa 20 Prozent. Auf diesem Fahrgestell, das durchaus etwas mit Fundamental-Ökonomie6 zu tun hat, rollt unser buntes, blinkendes, rasendes BIP4-Hamsterrad mit all den schicken, aber völlig wertlosen Gadgets. Doch sobald Sand zwischen Hamster und Getriebe fällt, dämmert es so manchem vage: Was die meisten von uns täglich so „arbeiten“, ist offensichtlich verzichtbar, unwesentlich. Weder füttert es uns noch macht es uns weder gesund (eher krank). Es stellt auch keine Tüte Mehl ins Regal. Es beschleicht uns die Ahnung: Wir können vielleicht sogar ganz gut ohne Unternehmensanwälte leben, die im Interesse ihres Unternehmens gegen das Gemeinwohl agieren; ohne Steuerberater, Hartz-IV-Schikaneure und ohne Investmentbroker; ohne die hundertfach überbesetzten Verwaltungen von Krankenkassen und Versicherungen – zumal wir ja plötzlich auch ganz viele andere Dinge können. Zum Beispiel uns kollektiv, solidarisch einschließen, Fieber messen und Grenzen kontrollieren, klar, aber auch eine Billion Euro aus dem Nichts stampfen oder schöpfen, damit Millionen Menschen weiterhin ihre Vermieter und Stromversorger glücklich machen können, selbst wenn sie mal ein Jahr nicht arbeiten. Dächte man sich nun auch noch die ganze strikt restriktive Verwaltung weg, den fünf Millionen Mann und Frau starken Behördenapparat, der sich ohnehin weitestgehend aufs Verbieten und Bestrafen verlegt hat, weil wir ja alles Vernünftige schon selbst können, spürt man doch plötzlich und nicht ohne sonderbares Behagen einiges an Spielraum, viel Luft nach oben und nach allen Seiten.

Das BIP eignet sich als Maßstab unseres Wohlergehens ungefähr so gut wie ein Fieberthermometer zum Messen des Reifendrucks. Das wissen nicht nur Klaus und Greta, sondern auch etliche Staatsvertreter und Nobelpreisträger. Leider kommen wir diesbezüglich seit Jahrzehnten nicht weiter. Bill und Klaus haben dieses Kernproblem glasklar erkannt: »Die übermäßige Abhängigkeit der politischen Entscheidungsträger vom BIP als Indikator für wirtschaftlichen Wohlstand hat zum gegenwärtigen Zustand der Erschöpfung natürlicher und sozialer Ressourcen geführt.«7 Und: »Wir wissen noch nicht, ob die ›Tyrannei des BIP-Wachstums‹ ein Ende haben wird. Verschiedene Signale deuten jedoch darauf hin, dass die Pandemie Veränderungen vieler unserer fest verankerten sozialen Normen beschleunigen könnte.«7

Mit Ein genauerem Blick auf den Tacho und offenen Augen für das Undenkbare wird uns klar, dass wir 60 Prozent unserer Jobs nur machen, diese Jobs überhaupt nur erfunden haben, um das BIP zu steigern und immer mehr Geld hin und her zu bewegen; sei es auch noch so sinnlos. Diese rund zwei Drittel unserer Arbeitskräfte werden nun aber mit Ende der »Tyrannei des BIP-Wachstums« nicht mehr benötigt. Was diese dann nach dem von Team Bill herbeigewünschten Neustart machen sollen, ist naheliegend: Wenn sie nicht mehr gebraucht werden, wie einst, weder in den Fabriken noch auf den Feldern noch auf den Schlachtfeldern noch in der Verwaltung, und auch nicht mehr als Bullshitjobber, dann sind diese 60 Prozent schlagartig »Expendables« – Entbehrliche.

Die „Antworten“ der Politik

Unsere Hoffnung, es liege tatsächlich die Möglichkeit zu nachhaltiger Veränderung in der Luft, war allerdings nur von kurzer Dauer. Denn wir haben noch eine weitere Lektion gelernt: Der gesunde Menschenverstand hat leider keine Lobby. Unsere ewiggestrigen, ewig fantasie- und mutlosen Vertreter, angeführt von „Mutti“, „Wumms“, „Södolf“6 und deren wirtschaftsweisen Wahrsager, haben die im Raum stehende Option nicht eine Sekunde betrachtet und stattdessen blitzartig erkannt, was alternativlos ist: Die Rettung – der Wirtschaft, die (siehe oben!) das BIP-Hamsterrad am Laufen hält.

Wenngleich es zu weit führt, hier im Detail darzulegen, weshalb die von Merkel beschworene »marktkonforme Demokratie«7 weder marktkonform noch demokratisch ist, soll hier wenigstens eines festgehalten werden: Wer unter den seit März herrschenden neuen Bedingungen die aus der Luft geschöpften Abermilliarden ausgerechnet an die TUI überweist, hat offenbar ein Kilo Watte in den Ohren und hört Schüsse nicht mal mehr dann, wenn sie direkt neben dem eigenen Kopf abgefeuert werden. Die TUI? Die Lufthansa? VW? Kurzarbeitergeld bis zum Horizont für die Millionen Mitarbeiter von Firmen, die schon vor der „Corona-Krise“ als „Zombies“ unterwegs waren? Und all diese Maßnahmen und Entscheidungen werden unbeeindruckt, blind und taub für die systemrelevante Realität getroffen, als gäbe es »nach Covid« eine Rückkehr ins Old Normal, als könnte es eine solche Rückkehr überhaupt geben?

Nach Ansicht und Willen dieser geistigen Tiefflieger mit ihrem Weitblick von der Wand bis zur Tapete kehrt entweder die alte Normalität zurück – halt unter verschärften Bedingungen, weil wir alle und unsere Kinder ja für die wegen Covid aufgenommenen neuen Schulden aufkommen müssen – oder es kommt zum segensreichen New Normal – dann nur unter verschärften Bedingungen, weil wir alle und unsere Kinder für die wegen Covid aufgenommenen neuen Schulden aufkommen müssen und unterwegs auch noch unsere Freiheit abgeben. Weitere Optionen gibt es nicht.

Vergessen wir nie, dass wir auf diesem seltsamen Planeten leben, nicht um Weltreiche zu erobern oder um Vermögen zu erraffen, sondern um einander zu helfen, die schwere Bürde des Daseins zu tragen.

Richard Nikolaus von Coudenhove-Kalergi (* 1894; † 1972)

Der Weg des Team Mensch

Coverbild von Sven Böttcher: Wer, wenn nicht Bill?
Sven Böttcher: Wer, wenn nicht Bill?

Unser „menschlicher“ Weg führt weder rückwärts ins »Old Normal« noch abwärts ins »New Normal«, sondern vorwärts – und nimmt seinen Ausgangspunkt oberhalb der beiden Wege, die die Verschwörergruppen »Team Old« und »Team Bill« einzuschlagen planen. Die dritte Verschwörung ist die des »Team Mensch«. Ziele sowie Grundannahmen dieses Teams unterscheiden sich radikal von den Zielen und Grundannahmen der beiden anderen Verschwörungsgruppen.

Während wir den Zielen und Grundannahmen des Team Old ausdrücklich widersprechen, teilen wir voll und ganz die Grundannahme des Team Bill und des freitags für die Zukunft demonstrierenden Team Greta: Einziges verbindendes Element der größten Probleme der Welt sind wir. Wir sind uns im Großen und Ganzen darin einig, dass wir vieles grundsätzlich ändern müssen, wenn wir als Menschheit weiterbestehen wollen. Team Bill, Team Greta und Team Mensch wissen, dass die Welt dringend neu geordnet werden muss. Hinsichtlich des »Wie« trennen uns jedoch Welten.

Die Veränderung, die Team Mensch anstrebt, ist grundlegend, keine Reform oder Korrektur im Kleinen, denn im Mittelpunkt seiner Weltsicht stehen allgegenwärtige Forderungen, Ziele, Anliegen und Überzeugungen, die sich in der folgenden Grundsatzerklärung widerspiegeln.

Die Grundsatzerklärung des Team Mensch

Wie es sich für Verschwörer gehört, wurde die nachfolgende Grundsatzerklärung verfasst und unterzeichnet von – niemand, natürlich.

#1: Memento mori

Wir leben und handeln im Bewusstsein, dass wir sterblich sind. Wir wollen alle nicht sterben. Wir müssen aber. Das wollen wir aber gar nicht wissen. Wir müssen aber. Wir wissen nicht, wann und wie wir sterben müssen. Wir haben darauf keinerlei Einfluss. Wir können achtsam sein und Gefahrensituationen meiden, aber auch die beste Biokost schützt nicht vor Meteoriten. Wir können uns selbst schützen (so Gott8 will). Wir können andere vor uns selbst schützen (so Gott will) und uns vor ihnen (so Gott will). Aber wir bleiben jederzeit sterblich. Darum zu wissen unterscheidet uns von der Maschine. Und das ist wesentlich. Denn die Aussagen »Ich will nicht sterben« und »Ich will leben« sind für die Maschine im Ergebnis gleichbedeutend: In beiden Fällen ist der Wunsch nach Weiterexistenz geäußert, während Nichtexistenz dringend zu vermeiden ist. Die Maschine wird daher geeignete Optionen vorschlagen, um das Ziel »Weiterexistieren« mit allen Mitteln zu bewirken. Wir aber wissen, dass hier ein Missverständnis vorliegt, in Form einer für die Maschine nicht existenten Grauzone, denn für uns sind »Nichtsterben« und »Leben« eben nicht dasselbe. Und zwar ganz und gar nicht.

#2: Es gilt der erweiterte kategorische Imperativ

»Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde«, im Volksmund: »Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu« – und im Übrigen füge man hinzu: Füge auch anderen nichts zu, was du dir selbst gern zufügst, was aber andere nicht mögen. (Wenn du dir gern die Fußnägel beim Abendessen auf dem Tisch schneidest, mach’s trotzdem nicht). Beim Handeln nach unserem inneren Gesetzeskompass folgen wir gründlicher Abwägung, nicht spontanen Gefühlen (»mag ich/mag ich nicht«), wir berücksichtigen auch weitreichende Folgen, beziehen also durchaus die ganze Menschheit mit ein (und tun nicht so, als endeten die Konsequenzen unseres Tuns am Gartenzaun). Wir sind der Wandel, den wir zu erleben wünschen, im Wissen: Handeln alle so wie ich, wird die Welt ein besserer Ort.

#3: All unser Handeln dient dem Menschen

Dies bedeutet: »Handle so, dass jede Wirkung deines Handelns mit dem Fortbestand wirklich menschlichen Lebens vereinbar ist.« Wirkliches menschliches Leben umfasst zwingend sowohl das Atmen als auch allerlei Unberechenbares wie die Empfindung von Emotionen wie auch die eigene Sterblichkeit und das Wissen darum (siehe #1). Wirklich menschliches Leben unterscheidet sich mithin fundamental vom wirklich nichtmenschlichen Leben wie dem des Steines, der Wolke oder der Maschine.

#4: Unsterbliche haben kein Mitbestimmungsrecht

(Sie dürfen aber gern Vorschläge machen.) Wir erkennen an, dass wir der Maschine unterlegen sind, in vielerlei Hinsicht. Nicht nur kann die Maschine größere Lasten bewegen, sie ist auch rationaler als wir, effizienter, schneller, pragmatischer, vollständig berechenbar, fühlt nicht, isst nicht, verdaut nicht, tauscht keine Körperflüssigkeiten mit anderen Maschinen aus, schläft nicht, lacht nicht, atmet kein CO2 aus, benötigt keine Pausen und verbraucht anders als wir weder Unmengen organischer Ressourcen noch 80 Prozent ihrer Energie zum Erhalt von Körperfunktionen. Aufgrund dieser Überlegenheit der Maschine sehnen die Transhumanisten im Team Bill den Tag der Singularität herbei, da der Mensch als fühlendes und körperliches Wesen endlich ausgemerzt werden kann und nur sein Bewusstsein bleibt – gespeichert auf klimaneutralen Festplatten und/oder zum gelegentlichen Upload auf nutzlose Körper. Der Hinweis auf diese Agenda ist uns 2020 nicht verborgen geblieben, sondern förmlich ins maskierte Gesicht gesprungen, denn tatsächlich war unter pandemischer Warnflagge alles verboten oder verpönt, was Menschen auszeichnet und was Maschinen schlicht weder brauchen noch können: jede Form von Nähe und Körperlichkeit (von der Umarmung bis zur Gruppenbildung, also z.B. Versammlungen, Flanierungen, bis zum Kontaktsport, bis zum Sex), Unterhaltungen (»Sprechen kann genauso gefährlich sein wie Husten« (Spiegel9), Emotionen, ausgedrückt in Form von jedweder Mimik (Maskenpflicht = Gesichtsverbot), vegetative Affekte (Lachen und sogar Tränen galten als infektiös, also potenziell tödlich), generell qua Deprimierung möglichst weitreichende Einschränkung der Humorausübung, von Ironie und Überschwang. Allein die größte aller Lebensgefahren, das Ein- und Ausatmen, konnte in der Testphase nicht für Wochen oder Monate kollektiv eingestellt werden, hier bestand de facto ein noch nicht überwindbarer Zielkonflikt. Aber wir haben verstanden, wohin die Reise gehen soll. Vielmehr: sollte. Denn diese Reise ist hiermit abgesagt.

Wir konstatieren, dass wir unberechenbar sind und bleiben. Wir konstatieren, dass das, was wir »Ich« nennen, zu 80 Prozent aus Bakterien und Viren besteht. Wir konstatieren unser Selbst als geheimnisvolles System, das uns für immer rätselhaft bleiben wird. Wir konstatieren aber insbesondere, dass #3, »Es diene dem Menschen«, auch und besonders für die Maschine gilt und immer gelten wird. Der Mensch, atmend, sterblich, diene nie der Maschine. Die Maschine, unsterblich, nichtatmend, diene dem Menschen. Und das nicht zu knapp, denn Team Mensch ist zukunftsgewandt und alles andere als fortschrittsfeindlich. Die Maschine darf sich darauf verlassen, dass sie uns auch weiterhin richtig gutzutun hat.

#5: Wir leben Vertrauen

Es gelte als Prämisse: Alle Menschen sind im Grunde gut. Na gut, es sind nur 95 von 100, 5 von 100 sind Soziopathen. Diese 5  sitzen zwar leider noch auf allen Chefsesseln, aber das wird uns an nichts hindern. Wenn wir uns jederzeit erinnern: Wir alle (95 Prozent) sind anständige Menschen. Die Beweislast für diese Behauptung ist erschlagend und füllt ganze Bibliotheken, wer was anderes glaubt, irrt. Richtig ist indes, dass wir uns nach fünfzig Jahren Aufenthalt in der geschlossenen Herz- und Gehirnwaschanlage allzu oft unanständig verhalten. Weil wir alles Wesentliche übersehen, unter anderem, dass wir längst keinen Grund mehr haben, mit irgendwem zu konkurrieren (da wir alles haben, siehe gleich), aber auch übersehen, dass wir eben nicht alle so wahnsinnig individuell verschieden sind, sondern im Wesentlichen wahnsinnig individuell gleich. Nicht nur genetisch, auch hinsichtlich unserer Tagesgestaltung und Wünsche (essen, trinken, verdauen, schlafen, Dach überm Kopf, nette Gefährten, Freunde, Sicherheit, Grillbesteck). Dummerweise leben wir seit wenigstens zwei Generationen in einem System, das uns reinsten Unsinn vorgaukelt und so völlig absurde, gefährliche Prämissen gesetzt hat. Primär jene, alle anderen seien ganz anders als wir, also jedes einzelne Ich – und wollten mich nur überholen, ausbooten und übers Ohr hauen. Wo aber alle solchen Unsinn glauben, führt dies als sich selbst erfüllende Prophezeiung mittels negativen Dauerfeedbacks genau zu dem Ergebnis, das wir täglich vorfinden: 95 Prozent anständige Menschen verhalten sich einander gegenüber rund um die Uhr misstrauisch und unanständig.

Technisch gesprochen, mit dem Team Bill: Wir sind diesbezüglich fest verdrahtet, Misstrauen ist unser DOS und unser Default Mode. An den Bedingungen unseres Disk Operating System hängt alles, jedes Programm von der Begrüßung Wildfremder (»Nicht lächeln!«), jede App bei der Jobsuche gegen lauter Konkurrenten (»Ingrid will dir doch nur deinen Job wegnehmen!«) bis zum Steuererklärungsprogramm (»Die anderen betrügen doch auch alle!«). Das Betriebssystem, auf dem all das basiert, ist gesetzt. Das lässt sich nicht korrigieren – aber ersetzen!

»Vertrauen« verhält sich zum bislang eingesetzten System wie Linux zu MS-DOS. Und natürlich erfordert der Austausch dieses nicht austauschbar wirkenden Kernprogramms vor allem eines. Nämlich Vertrauen. Also genau das, was das Programm erst erzeugen soll.

Der Übergang ist nicht sanft zu gestalten. Das ist ein Sprung in kaltes Wasser. Natürlich werden wir uns dabei ein bisschen mulmig fühlen (oder sehr). Aber wir verfügen über starke Mittel, uns dieses Herantasten ans kalt (wirkende) Wasser zu erleichtern. Es sind dies die Anreize, die wir setzen. Die Parameter oberhalb des Disk Operating System, zu denen wir weiter unten bei unseren Parolen kommen. Hier sei nur festgehalten: Radikales Vertrauen beginnt im Kopf, in der Fantasie ersetzen wir hier und jetzt mit sofortiger Wirkung das BGE durchs BGV (bedingungsloses Grundvertrauen). Und tasten uns in der Realität Schritt für Schritt heran an den Abbau von Blitzampeln und Hartz-IV-Kontrolleuren. »Offene Haustüren« und »alle Autoschlüssel ins Handschuhfach« können ja noch einen Augenblick warten.

#6: Wir leben Aufrichtigkeit

Diese Aufrichtigkeit beginnt bei uns selbst. Das Delphi-Motto verstehen wir so, wie es gemeint war. »Erkenne dich selbst« ist keine Aufforderung zum Feintuning der eigenen egozentrischen Vollmeise. »Erkenne dich selbst« bedeutet zunächst die Einsicht, dass wir Menschen sind und als solche begrenzt, hinfällig, sterblich und zur Selbstüberschätzung neigend. Davor hüten wir uns. Wir erkennen daher explizit an: Wir sind nichts Besonderes. Und wir machen uns nichts vor, insbesondere was unsere Motive betrifft, wir lügen uns nicht in die Tasche. Wir erhöhen uns nicht verlogen zu Rettern der Menschheit, der Freiheit oder der Demokratie, wir nennen nicht Entwürdigung »Sozialhilfe«, und wir nennen auch nicht Hilfsprogramme für unsere heimische Industrie »Entwicklungshilfe«. Wir machen uns nichts vor. Wir sind Schurken. Wir sind Bewohner der ersten Welt, ohne eigenes Verdienst im Paradies geboren, wo in jeder Hauswand kleine weiße Sklavenhorden uns zu Diensten sind, die wir Steckdosen nennen. Und wir bleiben Schurken. Wir werden nicht alles mit jedem gerecht teilen. Wir werden uns um mehr Gerechtigkeit bemühen, nebenan wie weltweit, aber alles hat Grenzen. Wir machen uns nichts vor. Wir machen die Welt besser. Aber nicht sofort gut. Wir werden nicht 400 Millionen Flüchtlinge aufnehmen. Im Gegensatz zu den Heuchlern aber werden wir unseren Schwestern und Brüdern dort helfen, wo sie leben. Wir werden nicht all unsere Autos verschrotten, aber im Gegensatz zu den Heuchlern werden wir sie nicht durch Elektromobile ersetzen, sondern öfter mal stehen lassen. Wir werden nicht all unsere Panzer zu Pflugscharen umschmelzen, die behalten wir lieber, falls jemand uns verjagen will – aber wir werden keine Panzer mehr exportieren und auch nicht mehr den Verkauf von Landminen unter »Exportweltmeisterschaft« verstecken.

Wir werden weiter gut leben. Besser als die meisten auf der Welt.

Wir sind als Schurken geboren und bleiben Schurken.

Aber wir bemühen uns nach Kräften, ein sehr viel kleineres Übel zu werden. Unsere Vorgänger machen es uns leicht.

#7: Wir leben Aufklärung

Und zwar unter dem Kant’schen Wahlspruch: »Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. […] Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!«

Unsere Kinder befinden sich von der Geburt an im Aufklärungsunterricht. Unsere Kinder sollen uns, sobald sie können, unbequeme Fragen stellen. Unsere Kinder sollen uns früh entlarven als Obrigkeit, als (anfangs) gottgleiche Elternschaft, die den Weihnachtsmann erfindet. Und unsere Kinder sollen dadurch gewarnt sein. Skeptisch bleiben gegenüber jeder Form von Obrigkeit, lebenslang. Nicht sich abfinden mit allem, was man ihnen serviert als »so isses«. Unsere Kinder sollen fragen: Gibt es den Weihnachtsmann? Gibt es Gott? Einen oder mehrere? Wieso sind das alles Männer? Schreiben die Bücher, diese Götter? Und wieso (nicht)? Warum ist die Welt, wie sie ist? Wie kommt es, dass einer 150 Milliarden hat und der andere nichts? Warum muss alle 5 Sekunden ein Kind verhungern? Wieso verhindert Bill das nicht, wenn diese Rettung aller nur 20 Milliarden Dollar pro Jahr kostet und er 150 Milliarden besitzt? Und kreist die Sonne um die Erde oder sieht das nur so aus?

Unsere Kinder schützen wir vor den tumben Trampeln und leiten sie an zur Skepsis, zum Hinterfragen. Zu logischem Denken. Zum Argumentieren. Zur Wissenschaft. Zur Evidenz. Sogar zum Verständnis von Statistik, Korrelation, Kausalität und Koinzidenz, damit sie sich nicht jede Impfung andrehen lassen. Zur Skepsis der eigenen Skepsis gegenüber. Dazu, Theorien aufzustellen und diese eigenen Theorien zu widerlegen. Denn das ist Wissenschaft. Das ist aufgeklärt. Das ist auch anstrengend. Und deshalb besitzen Menschen ihren Verstand. Um ihn zu benutzen. Als kritische, selbstkritische Masse.

Die jüngste Verdrehung aller Köpfe und Tatsachen sei uns hierbei Mahnung für immer. Der nicht gegen »Verschwörungstheoretiker«, sondern von Glaubensfundamentalisten gegen »Ketzer« geführte Kampf von Medien und Obrigkeit, pauschal, einseitig geführt mit schwerem Geschütz und Verklammerung, als gehörte der eidechsengläubige Bombenbastler in die gleiche Schublade wie jener, der nur respektvoll fragt: »Machen wir das gerade richtig?« Ein solcher Rückfall ins Vormittelalter findet nie wieder statt, die Vertreter dieser Weltsicht dürfen allesamt zu Hause auf dem Sofa bleiben, aber sicher nie wieder auf´s Sofa im Schloss Bellevue.

#8: Wir leben Güte

Unsere Frage laute alltäglich: Wozu ist es gut? Unser Leben und Handeln sei daher geleitet nicht von unserer Sympathie, Zuneigung oder unserer Liebe, sondern von Güte. Denn Güte ist größer sogar als die »Liebe«, die die Menschen so unterschiedlich definieren. Güte weist über alles Bekannte hinaus, frei von jedem Wunsch nach Gegenleistung, gleich welcher Form, denn Güte belohnt sich selbst im Menschen, der sie praktiziert. Güte ist gelebte Mitmenschlichkeit, gelebtes Vertrauen, gelebte Nachsicht, der gelebte Wunsch, es möge dem Nächsten wie dem fernsten Nächsten gut gehen. Daher sei die Güte unser Leitstern.

#9: Wir leben Freiheit

Indem wir #1 bis #8 unterschrieben haben, ist ohnehin niemand mehr »frei«, anderen zu schaden, und hat daran auch keinerlei Interesse mehr. Freiheit bedeutet die Möglichkeit, ohne Zwang zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen zu können. Auch zukünftig findet die persönliche Freiheit weiter kategorisch ihre Grenze dort, wo die Freiheit des anderen beginnt, aber unzulässig ist es, diese Grenze dahingehend zu verschieben, dass der sich durch freies Autofahren, Lachen oder Husten beeinträchtigt Fühlende den Freien zwingt, nur noch Rad zu fahren, zum Lachen in den Keller zu gehen oder sich impfen zu lassen. Es steht jedem sich bedroht Fühlenden in unserer Gesellschaft aber zukünftig frei, sich lebenslang einzusperren, denn es ist ja niemand mehr gezwungen, sich unter andere Menschen zu begeben.

Zerstörung, Chaos, Kollaps und Chance

Der Zerstörungswunsch ist nicht auf dem Mist von Team Mensch gewachsen, sondern auf dem des Teams Bill. Deren »schöpferische Zerstörung«, die der »neuen Normalität« vorausgeht, produziert das Trümmerfeld, über das der Weg führen soll in eine schöne, nachhaltige, gerechte Welt. Aber auch die kreativste Zerstörung ist eben eine Zerstörung, und Zerstörung geht einher mit Verwirrung, mit Chaos in Herz und Kopf. Den Kollaps, nach Orlovs Lehre10 ablaufend in 5 Phasen, sehen Team Bill wie Team Mensch durchaus kommen, beide sind aber der Ansicht, dass es gelingen kann, nach dem Zusammenbruch wirtschaftlicher und staatlicher Strukturen den Kollaps förmlich aufzuhalten und aus dieser Phase 3 heraus zurückzufinden zu einer neuen Ordnung. Wer diese neue Ordnung mitgestalten will, muss allerdings, so selbstverständlich es auch klingen mag, vor allem eines bewerkstelligen, nämlich das Chaos überleben. Denn wer nicht mehr lebt, kann bei der Neugestaltung der Welt nicht mehr so gut mitwirken. Ausnahmen bestätigen die Regel, denn natürlich helfen dabei auch ein paar Verstorbene von Kant bis Fuller, aber grundsätzlich soll doch gelten: Lebendig gestaltet es sich einfach besser. Für das Team Mensch bedeutet das, vor allem, beginnend heute: Zieht euch warm an! Bereitet euch vor! Werdet resilient! Lernt überleben! Wartet auf den Kollaps! Helft nach, wenn er sich abzeichnet! Und übernehmt im richtigen Moment freundlich das Ruder!

Für diese Vorbereitungs-, Übergangs- und Zwischenzeit gelten für das Team Mensch folgende Parolen:

Parole #1: Verschwört euch!

»Find the Others« (Douglas Rushkoff) – sucht und findet einander, im Leben wie im Netz. Sprecht miteinander, tauscht euch aus, debattiert, diskutiert. Ansätze, Lösungen, Prinzipien. Orlov und das Danach. Entwickelt und besprecht Optionen. Die Zukunft beginnt mit Vorstellungen von der Zukunft. Ihr müsst euch nicht alle lieben, das wäre zu viel verlangt, zumal wir ja alle »Liebe« so schön unterschiedlich definieren. Deshalb begegnen wir uns in Güte und lassen einander gelten, wir kanzeln keinen ab und canceln keine weg, verbunden in der gemeinsamen Vorstellung von einer besseren Welt. Gewinnt Herzen und Köpfe derer, die noch zweifeln oder sich fürchten. (Aber lasst euch nicht erwischen.)

Findet und nutzt Nebenstrecken, parallel zu euren weiter bestehenden Kommunikationskanälen, denen der Datenkraken. Kommuniziert, wo es um eure Verschwörung geht, via Signal, Telegram, Protonmail, Onion Browser, Darknet. Alles andere kommuniziert weiter über eure abhörbaren Kanäle, macht euch nicht verdächtig durch komplettes Verschwinden vom Radar der GAFAschisten11, und fangt bloß nicht an, schon jetzt alles bockig mit Bargeld zu bezahlen.

Setzt ein Schattenkabinett ein, auf euren Websites. Loggt euch ein im virtuellen Land über eurem Land, in dem ihr einander orten könnt. (Details folgen, siehe ganz unten).

Lernt einander erkennen, unerkannt von allen anderen. Unsere Fahne ziere die Himbeere, der Himbeeranstecker diene auf dem Weg als Erkennungszeichen (siehe Website-Logo! Es gelten aber auch Buttons mit der Aufschrift »Raspberry« und alle Formen von Selbstgebasteltem).

Parole #2: Zahlen bitte!

Es wäre eine Illusion zu glauben, industriesubventionierte Magazine oder öffentlich-rechtliche Medien bildeten die Wirklichkeit auch nur annähernd angemessen ab. Die tatsächlich werbe- und/oder steuergeldunabhängige Berichterstattung ist aufwendig und kostspielig, ohne Anzeigeneinnahmen kostete der Spiegel sicher 30 Euro pro Ausgabe, und für das üppige Angebot des öffentlich-rechtlichen Apparates käme der Nutzer selbst mit dem Zehnfachen seines Netflix-Monatsbeitrages nicht aus. Unseren Blicken verborgen ist hinter einer unsichtbaren Subventionsfassade, dass sämtliche Mainstreammedien, also die gesamte flächendeckend veröffentlichte Meinung, Staat und Industrie gehören, wobei der Staat inzwischen selbst nur noch der Industrie dient (weil er sich längst ruiniert hat). Zeitungen, Zeitschriften und Privatfernsehen sind zu 100 Prozent industrieabhängig, ohne Werbeeinnahmen (= Zahlungen der Industrie) könnten sie nicht überleben, die reichweitenstarken Internetangebote (Youtube, Facebook et cetera pp.) gehören ohnehin vollständig der Industrie, unerwünschte Kritik kann hier wie dort nicht stattfinden, und selbst Debatten mit Kritikern, gleich wo, bleiben im festgelegten Konsensrahmen, verschaffen aber dem Unbedarften wirksam die Illusion, er befinde sich in einer Demokratie, in der die freie Meinungsäußerung jedem öffentlich erlaubt sei. (Erlaubt: durchaus, zu Hause, aber eben nicht bei Anne Will). Das deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehsystem, obwohl mit 9 Milliarden Euro per anno aus Bürgerhand finanziert und eigentlich per Rundfunkstaatsvertrag verpflichtet, der Demokratie zu dienen (indem es unabhängig und ausgewogen informiert), ist längst bis in die letzte Hinterbank durchsetzt von Knallchargen mit Parteibuch, selbst das Bundesverfassungsgericht verordnet hier gesetzlich gebotene Veränderungen komplett ins Leere, und 75 Prozent unserer ohnehin durchgehend systemabhängigen »Journalisten« stammen aus der Mittelschicht, aus Familien, die ihren Aufstieg dem bestehenden Staats- und Beamtenwesen verdanken. Zensur ist bei alldem nicht erforderlich, der Mainstream zensiert sich selbst. Investigation findet nicht statt, wohingegen das Unterhaltungsprogramm immer mehr Sendezeit einnimmt, wenn es sich auch weitgehend auf Rateshows, Talkshow-Feigenblättchen, Beziehungs- und Beamtenverherrlichung in Form von Kitsch- und Krimiserien beschränkt. Und einmal im Jahr ehren dann Beamte Künstler für die gelungenste Beamtenverherrlichung und nennen das »Fernsehpreis«. Relevant ist hier nichts.

Alles Relevante müssen wir (uns) selbst leisten.

Ein Website-Abo für 10 Euro/Monat, ist nicht teuer, sondern günstig. Ein nicht vom Bertelsmann-Konzern und Konsorten, sondern unabhängig produziertes und im Handel für 20 oder 25 Euro erhältliches Buch ist nicht teuer, sondern extrem günstig. Eine werbefreie Zeitschrift für 20 Euro pro Ausgabe ebenfalls. Eine unabhängig hochprofessionell produzierte Talkshow wie »Positionen«12 oder »Auf Augenhöhe«13 kann nur bestehen, wenn sie nicht nur von vielen gesehen und gelikt, sondern auch von allen Zusehern bezahlt wird. Kein Bäcker akzeptiert das Zahlungsmittel »Daumen hoch«, und den meisten Vermietern genügt Applaus vom Balkon allenfalls als Kündigungsgrund.

Also: Richtet Daueraufträge ein für alles, was euch erhaltenswert erscheint, selbst wenn ihr nur wenige Euro pro Monat entbehren könnt. Nur verlässlich jeden Monat eintreffende Zahlungen sorgen für Planungssicherheit bei denen, die für euch arbeiten. Spenden könnt ihr zusätzlich, sofern ihr im Lotto gewinnt oder aus anderen Gründen plötzlich mehr zu verteilen oder zu verschenken habt als sonst. Aber es gilt, immer: Zahlen, bitte! Die Gratiskultur ist unser Ziel, und das erreichen wir auch, aber noch sind wir nicht da.

Parole #3: Schenkt euch das!

Unsere Zukunft wird gratis. Es wird kein Bedingungsloses Grundeinkommen in Form von Giralgeld geben. Das BGE ist eine Honigfalle, denn es wäre steuerbar von jenen, die die Ausgabewährungen kontrollieren, und das werden nach Lage der Dinge nicht souveräne Staaten sein, sondern Privatleute – die US-Notenbank (FED), die nicht dem Staat USA »gehört«, sondern privaten Banken,14 die EZB und Digitalunternehmer. Höhe wie Wert des BGE wären von diesen Unternehmern und (unsichtbaren) Anteilseigern skalierbar, anpassbar auch auf bewusst ungenügende Höhe, um mehr Kreditaufnahmen jedes Einzelnen zu erzwingen – sowie individuell jederzeit abschaltbar bei Zuwiderhandlung und Verstößen gegen willkürliche Auflagen oder Regeln. Nach dem Ende des Bargeldes bedeutete aber die Abschaltung des (nur giralen) BGE-Flusses für den Einzelnen schlicht dessen Vernichtung, schlimmstenfalls ein Todesurteil, denn der oder die in Ungnade gefallene könnte ja hernach allenfalls noch auf der Straße um Naturalien betteln.

Wir machen das anders. Wir machen alles Lebensnotwenige gratis. Und damit fangen wir direkt an. Wir arbeiten ohne Bezahlung, wir tauschen Leistung (Rasenmähen) gegen Kost (Apfelkuchen, lecker) … aber Vorsicht! Das ist (noch) nicht erlaubt. Wir befinden uns nicht in irgendeiner normal gestrickten Normalität, sondern in der Endphase eines komplett durchgeknallten Systems, das zu seinem Erhalt dringend alles unterbinden muss, was natürlich ist – und obendrein jeden Cent benötigt, den es irgendwie aus dem Tun und Treiben von Menschen heraussteuern kann. Hier werden nicht einfach Kinder über den Gartenzaun getauscht und von Nachbarinnen betreut, denn selbst wenn beide Seiten auf jegliche Zahlung verzichten, handelt es sich um »geldwerte Leistungen«, auf die Steuern zu entrichten sind. Ebenso auf die geleistete Arbeitsstunde Rasenmähen und den im Gegenzug erhaltenen Kuchen.

Unterlaufen lässt sich die Strafbewehrung von Freundlichkeiten nur noch mittels Besetzung der letzten Bastion, die der Staat noch nicht geknackt hat: dem Geschenk. Schenken dürfen wir nämlich. Noch. Ein bisschen. Solange es nicht zu viel wird. Nicht dass ihr jetzt plötzlich alle anfangt, euch gegenseitig Fünfzigtausend-Euro-Scheine zuzustecken, das gäbe gehörigen Ärger.

Die Regeln für Geschenke sind streng. Die wichtigste Regel lautet, dass keinerlei Bedingung an das Geschenk geknüpft ist Nicht einmal die Erwartung oder irgendwie begründbare Hoffnung, dass der Beschenkte sich aus Dankbarkeit so verhält, wie ihr es euch wünscht. Solche Geschenke befänden sich inhaltlich in der Nähe von Gehaltszahlungen oder Schmiergeld. Also halten wir uns doch strikt an die Bedingungslosigkeit, denn die ist tatsächlich das Einzige, was uns noch retten kann. Also üben wir, beginnend jetzt, weil nichts über Erfahrungswerte geht. Und wer mit Schenken keine Erfahrung hat, weiß gar nicht, was ihm bis heute entgangen ist.

Das Beschenken von Freunden, Nachbarn, Bekannten sollte uns nicht schwerfallen, bei Bedarf hilft die Frage: »Braucht ihr was?« Aber wichtiger ist als tägliche Übung: das bedingungslose Beschenken des unbekannten Dritten. Das beginnt beim Allerkleinsten, dem halb abgelaufenen Parkschein für den, der euren Parkplatz übernimmt. Schenkt Kleingeld dem, der vor dem Parkscheinautomaten knapp ist. Jenem, dem beim Bäcker welches fehlt. Im nächsten Schritt traut euch und schenkt dem Nächsten hinter euch in der Schlange im Coffeeshop einen Kaffee. Einfach so. (Nein, eben nicht nur zufällig dann, wenn der Nächste eine die ist, zufällig bildschön, und, nein, nicht mit dem Zusatz »Gibst du mir deine Nummer?«). Verschenkt Geld. Verschenkt Zeit, wenn ihr seht, dass andere sie brauchen können. Verschenkt Blumen. Und bloß keine Vorsicht: Altruismus ist ansteckend.

Natürlich wird man euch gelegentlich ansehen, als hättet ihr nur gerade eure Jacke mit den langen Rückenärmeln an die Garderobe gehängt. Natürlich wird man euch mit Misstrauen begegnen. Wir sind ja schon so weit vorangekommen in unserer Homo-oeconomicus-Überzeugung, dass wir denken: Nie, nirgendwo handeln Menschen ohne Gewinnerzielungsabsicht, jede Handlung zielt – offen oder verdeckt – darauf, einen Vorteil für sich selbst herauszuholen, und wenn ein Fremder (!) mir bedingungslos (!) einen Kaffee spendiert (der ihn ja was kostet!), dann will der dafür gleich was von mir haben, vermutlich meine Unterschrift unter irgendeinen Kreditkartenvertrag. Gegen diesen fest verdrahteten Irrglauben hilft nur: Schenken. Ohne Bedingung. Ohne Erklärung.

Es wird sich manche/r wundern. Es wird euch manche/r ansehen, als wärt ihr gaga oder gefährlich. Aber es wird auch mancher sich allein weiterwundern, wenn ihr schon wieder gegangen seid, und er mit seinem Parkschein oder frischen Kaffee dasteht, beschenkt (ihr habt ihm was erspart), und verdattert merkt, dass sich das merkwürdig anfühlt – und eindeutig gut, und ganz unwillkürlich die Frage aufwirft, mitten im Wesen: Was, wenn das alle machen würden? Wo kämen wir denn da hin?!

Also: Beginnen wir unsere Übung. Gehen wir mit offenen Augen durch die Welt, durch die Dörfer, Gemeinden und Fußgängerzonen, und finden wir jede sich bietende Gelegenheit, Unbekannten etwas zu schenken. Und seien es sechzig Sekunden, um mitzuhelfen beim Verladen des Kinderwagens. Und sei es ein Lächeln.

Parole #4: Versorgt euch!

Werdet im Wesentlichen autark(er). Beim Anlegen eines Salatbeetes auf dem Balkon geht es nicht ums große Ganze, sondern um die grundsätzliche Erfahrung, dass wir uns selbst helfen können, falls Rewe explodiert. Überdies fördert das selbst angebaute Biogemüse nicht nur die Gesundheit, sondern auch unser Grundverständnis für Leben und Tod: Alles wächst. Alles vergeht.

Etwas Platz für Kräuter, Gemüse und Obst ist wohl in den meisten Hütten und Vorgärten, dieser Platz ist zu nutzen (und das Anlegen von Hochbeeten lässt sich tatsächlich ohne vorherigen Besuch einer Hochbeetschule bewerkstelligen). Bei der Einrichtung privater Eier- und Milchfabriken (verniedlichend: Hühnern und Ziegen) wird’s natürlich schwieriger, denn Tiere wie diese fühlen sich auf Balkonen nicht halb so wohl wie Pflanzen. Wer mit, erst recht ohne Balkon wohnt, tut sich deshalb zur Nutzviehhaltung doch besser mit netten Leuten zusammen, die einen Garten haben, und bringt die Tiere dort unter.

Was die größeren Gärten betrifft, die ihr benötigt, um im Fall der Rewe-Explosion zumindest gelegentlich frische Karotten auf eure Teller legen zu können, führt an der Kooperation mit echten Menschen kein Weg vorbei, denn echtes Wachstum braucht Fläche, und die meisten Flächen gehören irgendwem – in Deutschland zum Glück nicht Bill, der ist nur der größte Landwirt der USA15. Also sucht und findet Flächen (auf dem Land ist das leicht, in der Stadt tricky, zugegeben), sucht die Besitzer und fragt die, was ihr auf ihren Flächen wachsen lassen dürft. Als Städter geht auf die Märkte und fragt die früh aufgestandenen Bauern, woher sie und ihre Ernten kommen und ob ihr euch beteiligen könnt. Beteiligung bedeutet dabei nicht immer »Arbeitskraft«, die Ausrede »Ich hab Rücken« gilt generell weiter überall, ihr könnt auch euer Kurzarbeitergeld verwenden, um euch finanziell zu beteiligen. Fahrt durch die Dörfer und fragt die Ansässigen, wo sich das nächste Permakulturfeld befindet. Man wird euch doof angucken. Fragt weiter. Gibt’s partout kein Permakulturfeld, kein Gemeinschaftsprojekt (sehr wahrscheinlich) – fragt weiter: Wollen wir eins zusammen gründen? Wer macht mit? Wer macht dann was? Soll ich einen Spaten mitbringen? Und Zeit? Oder nur Geld? Ihr habt Mailadressen. Und Telefonnummern. Tauscht die aus.

Versorgungssicherheit beginnt beim Menschen. Im Gespräch. Mit freundlichen Fragen.

Parole #5: Bevorratet euch!

Keine Vorräte anzulegen ist eine merkwürdige, gewachsene Effizienzverirrung, allerdings sehr verbreitet unter den im Sternzeichen Zentralheizung Geborenen. Das Verschwenden von Platz mit Vorräten gilt schlicht als doof, denn Vorräte gibt’s ja bei Rewe, allmorgendlich aufgestockt bis unter die Decke. Das hinter dieser täglichen wundersamen Vermehrung steckende Logistiksystem ist ein wahres, von globaler Menschenhand erschaffenes Wunderwerk, das vermutlich selbst den Göttern bei ihrem Blick aus kosmischer Höhe Bewunderung abverlangt. Aber wie alle perfekt effizienzoptimierten Prozesse ist auch der Versorgungsprozess im Ernstfall (zum Beispiel dem einer echten Pandemie) extrem störanfällig. Der Vergleich mit einem perfekten Automobil, Ernte 2020, ist erlaubt: Ein Tütchen Sand an der richtigen Stelle schaltet nicht nur die Bluetooth-Verbindung zum Smartphone aus, sondern auch den Motor.

Es hat nichts mit Prepping oder dem heimlichen Tragen von Aluhüten zu tun, temporäre Knappheiten oder Versorgungsengpässe grundsätzlich einzukalkulieren und jederzeit vorbereitet zu sein auf acht Wochen ohne reibungslos funktionierende Versorgung. Ein paar Kisten Wasser sollten immer neben oder unter die Klopapiervorräte passen (selbst das BBK empfiehlt 14 Liter pro Person und Woche16), im Wissen, dass fließend Wasser schon dann ersatzlos wegfällt, wenn die komplex zusammengeschalteten europäischen Stromnetze mal für eine Woche ausfallen – in jeder Großstadt stünde danach dem ungepflegten Verdursten nichts im Wege, bei schlechtem Geruch aus dem Bad.17

Am Vorabend des potenziellen Kollaps sollte man den gedachten Bevorratungszeitraum sicherheitshalber etwas erweitern. Für ein paar Packungen Nudeln und Konserven sowie 12 Pfund Kaffee ist Platz selbst in der kleinsten Etagenhütte, Wodka, Proteinriegel, Fahrräder, Taschenlampen und Generatoren lassen sich bei persönlichem Platzmangel im Gemeinschaftskeller stapeln, und eine Handbreit Saatgut passt sowieso in jede Nachttischschublade.

Weitere Ideen und Details finden sich im gut sortierten Netz- oder Bücherregal bei den Preppern.18 Deren grundsätzliche Ratschläge sind beileibe nicht entwertet oder schlecht geworden, nur weil einige von ihnen bis heute auf den Raviolidosen-Ernten von 1992 sitzen. Dennoch berücksichtige man beim Studium der Prepper-Kataloge die Herkunft der beratenden Experten. So ist beispielsweise das Einhalten der Abstandsregel (100 Kilometer in alle Richtungen) kritisch zu betrachten, da es hierzulande fast unmöglich sein dürfte, Doomsday-Bunker an Orten anzulegen, die 100 Kilometer von jeder Ortschaft entfernt sind. im Übrigen führen unsere Drogerie- und Baumärkte – zum Glück – auch keine en gros erwerbbaren Handgranaten und Schnellfeuergewehre.

Das Anlegen von Bargeld-, Seifen- oder Wodkavorräten im Wald empfiehlt sich nur für den versierten Geocacher, hier genügt nicht die selbstbewusste Behauptung »Ich hab voll die Ortskenntnis«. Obendrein gilt: Da die Gefahr besteht, dass in naher Zukunft Banden verarmter Investmentbroker durchs Land marodieren und Mitglieder des Team Mensch in deren eigenen vier Wänden zu überfallen drohen, nützt einem das koordinatengeheime Wodkaversteck eh nix, weil man ja unter Folter oder Folter der nächsten Angehörigen sowieso sofort auspackt. Also kann man den Wodka auch gleich zu Hause stehen lassen – und merke sich als missionskritisch: Die Übergangsphase in die Neue Menschennormalität erfordert das Gegenteil von Abstandhalten – nämlich Zusammenhalten, auf Deutsch: Nachbarschaftshilfe.

Allein gehen wir unter. Das war schon immer so, ist nur ein bisschen in Vergessenheit geraten im Selbstoptimierungszeitalter. »Wenn jeder nur an sich selbst denkt, ist an alle gedacht« ist ein guter Witz, aber keine gute Taktik. Es kann sicher nicht schaden, den Nachbarn schon vorher mal Hallo zu sagen. Am besten gleich morgen.

Parole #6: Spart euch das!

Dass finstere Mächte oder die Menschenfreunde des Team Bill die weltweite Abschaffung des Bargeldes planen, gilt den meisten natürlich als völlig absurde Verschwörungstheorie. Wir schenken uns alle Diskussionen darüber, ob, wie oder wann diese Verschwörungstheorie schlagartig zur Realität wird und unternehmen sicherheitshalber (und ohne nennenswerten Aufwand) zweierlei: Zum einen behalten wir stets etwas (oder etwas mehr oder möglichst viel) Bargeld in Reichweite, zum anderen versprechen wir uns gegenseitig, dass wir dieses Bargeld im Fall des Falles als Tauschmittel weiter akzeptieren, und setzen den Wert der vorhandenen Scheine und Münzen fest auf jenen Wert, den sie am 31. März des Jahres X hatten, an dem sich – völlig überraschend – Crash, Kollaps und Einführung der einen weltweit geltenden Zentralwährung ereignen. Es gilt in diesem Fall als Wert der kursierenden Scheine nicht der zuletzt inflationsbedingt geltende (»Zugreifen! Sonderangebot ab 17 Uhr, 5 Brötchen für nur 2 Milliarden Euro!«), sondern der vor Inflationsbeginn geltende. Also der vom 31. März. Es gilt das Versprechen: Gedruckte Euros, Dollar und Pfund werden zum Präkollapskurs im Verhältnis 1:1:1 anerkannt von allen Mitgliedern und Sympathisanten des Team Mensch.

Bis zur Einführung der Sterntaler (siehe unten) behelfen wir uns als Übergangslösung mit Scheinen. So müssen wir keine Ersatzwährung drucken. Das wäre zeitraubend und mühsam. Und illegal. Illegal wird auch die Verwendung der Scheine sein, aber damit können und müssen wir leben – es wird ja nicht von Dauer sein.

Dankenswerterweise müssen wir nichts erfinden. Scheine und Münzen sind gedruckter Ausdruck des Vertrauens in den Souverän, und der sind ja wir selbst. Gibt der bis dato existierende Staat, vertreten durch unsere Regierung, sein exklusives Recht ab, Geld zu erschaffen, schafft der Staat vermutlich sich selbst demnächst ab und übergibt die Entscheidungsmacht an eine nicht demokratisch gewählte Instanz (irreführend als »Weltregierung« gehandelt). Daher vertrauen wir ab diesem Moment doch gern uns selbst. Dass der sich selbst zerlegende Staat hernach nicht mehr an unserem Waren- und Dienstleistungstausch partizipiert, nehmen wir wohl zur Kenntnis, als Ausdruck unseres ganzen Mitgefühls genüge uns aber diesbezüglich ein von Herzen kommendes »Selber schuld«.

(Keine Angst! Wir lassen keinen von uns zurück!)

Parole #7: Es sei morgen!

Wir beschützen unsere Zukunft. Und wenn es buchstäblich das Letzte ist, was wir tun. Unser Blick geht nach vorn. Wir bedenken die Folgen unseres Tuns. Wir wissen, dass nur das Jetzt wirklich existiert, wir lernen aus dem Gestern, aber wir opfern nicht die Zukunft unserer Vergangenheit. Die Zukunft, das sind unsere Kinder. Unseren Kinder gehört die Zukunft, nicht uns. Wir fackeln nicht alles ab und hinterlassen nicht unseren Kindern rauchende Ruinen. Vor die Wahl gestellt, unsere Kinder zu opfern oder unsere eigenen Leben, opfern wir unsere Leben. Wir sperren unsere Kinder nicht ein und wir traumatisieren sie auch nicht mit Masken und Horrorgeschichten. Und wir bleiben wachsam und behalten ein paar geschlossene Abteilungen und Zwangsjacken, falls je wieder Gestalten wie Markus Söder oder Karl Lauterbach auftauchen.

Parole #8: Beruhigt euch!

Diese letzte Parole ist, Ausgabebeginn sofort, dringend in jedes Haus und jeden Kopf zu tragen – bevor der Kollaps sich ereignet oder auch nur abzuzeichnen beginnt. Mit dem Kollaps zerbricht unser Weltbild, und es besteht die Gefahr, dass wir in Panik geraten und die Übergangsphase in die eine oder eben die andere Normalität für die meisten nicht problemlos zu verkraften sein wird. Der Verlust der Eckpfeiler des eigenen Gedankengebäudes ist keine Kleinigkeit, dabei könnte durchaus aus dem Blick geraten, dass wir jetzt, am Vorabend weltbewegender Veränderungen, allen Anlass zur Hoffnung haben. Sofern wir uns schon vor dem Kollaps über ein paar Dinge klar werden. Wesentliche Dinge. Die Aufgabe des Team Mensch besteht daher auch darin, Herzen und Köpfe zu beruhigen.

Mittels Worst-Case-Szenario. Ausgerechnet. Eines Szenarios, das wir – und, ja, jetzt geht es tatsächlich nur noch als »wir«, weil dies uns alle betrifft – uns gemeinsam vorstellen wollen. Zu unserer gemeinsamen Beruhigung. Das klingt widersinnig, sich beruhigen zu wollen mittels Vorstellung des Ärgsten, aber nur so geht’s. Furcht will benannt werden, sonst ist sie nur allgegenwärtige Angst, diffuser Horror, vegetative Panik. Also: Wovor fürchten wir uns wirklich? Nein, nicht vor »Kiwiknappheit im Supermarkt« oder »Mein WLAN/Tablet/Facebook ist kaputt«. Das fällt allenfalls unter »Unannehmlichkeiten«. Echte Furcht haben wir vor dem Sterben, dem eigenen wie dem Sterben derer, die wir lieben. Echte Furcht haben wir vor Hunger, Durst, Pleite, Angriffen, Bürgerkrieg, davor, mittellos auf der Straße zu sitzen.

Die Vorstellung des Worst Case ist nicht inhaltlich einzugrenzen, wohl aber räumlich. Denn ein 8-Millarden-Szenario überfordert uns in jeder Hinsicht, wir denken und fühlen nicht global, sondern ortsgebunden. Also setzen wir uns eine Grenze. Um das Dorf, die Stadt, das Land, den Kontinent, in/auf dem wir leben. Nehmen wir für den Moment die willkürliche »deutsche« Grenze und schließen so ein ganzes Prozent der Weltbevölkerung in unsere Überlegungen mit ein. Eine kleine Gruppe, aber eine besonders privilegierte. Denn Deutschland (man sehe mir abermals das biografische Bias nach) ist tatsächlich das Land, das sich die Worst-Case-Spekulation am ehesten erlauben kann. Wir sind nämlich nicht nur doof (siehe oben), wir sind auch Demokratiekenner und, weil wir als Nation so jung sind (jünger sogar als die Amerikaner) und ein echter, aus Überzeugung zusammenstehender Bund selbstständiger Republiken mit der gleichen Sprache (okay, für Bayern und Friesen stellen wir Simultanübersetzer), auf den Kollaps am besten vorbereitet. Tatsächlich: Verwaltung und reibungslose Organisation auch über Binnengrenzen hinweg konnten wir schon immer, hässliche Zungen haben sich gar zu der Einschätzung verstiegen, das sei im Grunde das einzige Kontinuum in unserer gemeinsamen Geschichte, aber wir sind nicht nachtragend. Zumal uns dieses Talent ja nach dem Kollaps ganz entschieden zupass kommt.

Es kommt also. Zum Kollaps. Alles bricht zusammen, die Industrie, die ganze Weltwirtschaft. Die Staaten sind pleite. Die Banken sind pleite. Die Versicherungen sind pleite. Das ganze Geld ist weg. Unsere Arbeitgeber sind weg. Unsere Jobs sind weg. Und unsere Beamten gleich auch, denn die können wir ja nicht mehr bezahlen. Was bedeutet das?

Es herrscht kein Mangel. Wir haben alles.

Das ist es, was uns so fundamental unterscheidet von einem Entwicklungsland (und sogar von Spanien, Frankreich, England, Italien und den USA, nichts für ungut) – und was uns fundamental unterscheidet von unserer eigenen Vergangenheit, in der wir unser gesamtes Verhalten gelernt haben.

Wir haben alles.

Unser gesamtes Verhalten ist überholt. Alles, was geschehen ist und bis heute geschieht, basiert auf der gründlich forcierten Illusion, wir hätten nicht alles. Nicht genug für alle. Müssten immer schneller werden, immer effizienter, müssten uns immer weiter optimieren. Müssten konkurrieren, um Jobs, Geld, Häuser, Zuneigung. Und konkurrieren mit Maschinen. Weil nicht genug für alle da ist. Das ist falsch. Wettkampf, Konkurrenz, Streit, Tempo – all dies sind Artefakte oder Illusionen, Reste aus der Zeit, als es uns noch an etwas fehlte.

Wir haben alles. Doppelt und dreifach. (Jaja, über die Verteilung machen wir uns gleich Gedanken, eins nach dem anderen.) Die entscheidende Erkenntnis, die Basis für alles ist, in Mantraform zum Weitersagen:

Wir haben alles. Es wird uns an nichts mangeln. Wir fürchten uns nicht.

Betrachten wir das Ganze im Detail. Was brauchen wir wirklich? Das haben wir im April 2020 gelernt, siehe oben. Wir brauchen Wohnraum, gut beheizt, wir brauchen Essen, Getränke, Schokolade, wir brauchen Möglichkeiten, unsere Freunde nicht nur online zu treffen, sondern auch live – also Fahrräder, BusBahnAutoFähre und (selten, wenn überhaupt) Flugzeuge. Wir brauchen Orte, an denen wir uns begegnen können, und Orte, an die wir uns zurückziehen können.

Weiterlesen …

Fußnoten (Quellen / Anmerkungen)
  1. NCBI: Wie viele Intensivpatienten mit COVID-19 überleben?
    10.01.2021: Matthias Schrappe et. al., Thesenpapier 7 – Die Pandemie durch SARS-CoV-2/CoViD-19, S. 10/11
  2. Vgl. »Das objektiv bewertete Corona Risiko«, Sumymus, 3-9-2020. Eine wirkliche und nachvollziehbare statistische Differenzierung nebst Annäherung an die Antwort auf die Frage »Wie viele Menschen sterben denn wirklich zusätzlich an/mit Covid?« ist nicht leicht zu finden, Sumymus liefert keine endgültige Antwort, wohl aber, anders als das RKI und der massenmedial allesverkürzende »Fach-Schurnalismus«, vernünftige und nachvollziehbare Denkansätze; blog.sumymus.de/das-objektiv-bewertete-corona-risiko
  3. Definition: »Wenn dieser Job nicht existierte, würde es entweder keinen Unterschied machen oder die Welt würde sogar ein besserer Ort sein.« (David Graeber) Von Lakai bis Schläger, von Flickschuster bis Kästchenankreuzer, von Aufgabenverteiler bis Erbsenzähler. Achtung! Ein Bullshitjob ist kein Scheißjob. Scheißjobs werden schlecht bezahlt, müssen aber erledigt werden. Bullshitjobs werden gut bezahlt, müssten aber nicht erledigt werden, sondern existieren als Selbstzweck bzw. nur zum Nutzen des Bruttoinlandproduktes (BIP), nicht zum Nutzen irgendwelcher Menschen.
  4. Wikipedia: Bruttoinlandsprodukt
  5. Leseempfehlung: Agora42, 01/2021 »Wahrheit & Wirklichkeit«, S. 15 ff.: Lia Polotzek, »Auf Öl und Träumen gebaut: Wie real ist die Realwirtschaft?«
  6. Arbeitskreis Wirtschaft und Alternativen – Nürnberg: Fundamental-Ökonomie
  7. Klaus Schwab, COVID-19: Der große Umbruch, Kap. 1.2.2.3
  8. Platzhalter. Der Begriff »Gott« ist nach Belieben zu ersetzen durch den eigenen Lieblingsgott, den Kosmos, das Universum, den Äther, das Schicksal oder sonst wen oder was, der/das größer ist als wir und sich unserem Begreifen wie unserer Beeinflussung entzieht.
  9. Spiegel, 20.01.2020: Aerosole und Corona – Sprechen kann genauso gefährlich sein wie Husten
  10. Dmitry Orlov, Die Lehre vom Kollaps. Die fünf Stufen des Zusammenbruchs und wie wir sie überleben. (Brennende Bärte 2020)
  11. Eigentlich müsste diese mächtige, jenseits aller Staatsmacht operierende Allianz der vier apokalyptischen Reiter Google, Amazon, Facebook und Apple um Microsoft auf »The Five« statt »The Four« (Scott Galloway) erweitert werden, aber GAFAMisten nähme doch dem Kosenamen einiges von seinem Charme.
  12. KenFM: kenfm.de/sendungen/positionen
  13. Fair Talk TV
  14. Anders als die meisten Notenbanken ist die FED keine staatliche Institution. Sie besteht aus dem Federal Reserve Board und zwölf regionalen Notenbanken, die wiederum Geschäftsbanken gehören. Auf gut Deutsch: Der US-Staat hat keine Aktien in der FED. Welche Banken genau die Eigentümer sind, wie groß deren Anteile an den jeweiligen regionalen Notenbanken sind – das weiß man nicht, das fällt unter »Bankgeheimnis«.
  15. Bill Gates besitzt via schicker Firmenkonstrukte ungeheure landwirtschaftliche Flächen (270.000 Acres in den USA). Das finden aber nur neidische Verschwörungstheoretiker befremdlich. Vergl. Eric O’Keefe, Bill Gates: America´s Top Land Owner (Farmland Report 11.1.2021; landreport. com/2021/01/bill-gates-americas-top-farmland-owner/). Größter Großgrundbesitzer der US of A ist Bauer Bill aber nicht, bei Spielwäldern und Ranches liegen andere Milliardäre deutlich vorn, von John Malone (Liberty Media, 2,2 Millionen Acres) bis Jeff Bezos (Platz 25 mit ausreichend Auslauf in Texas, 420.000 Acres); vgl. Ariel Shapiro, Forbes, 15.01.2021;
  16. Keine Empfehlung hysterischer Spinner, sondern der gute Minimalrat des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.
  17. Leseempfehlung (bei Kerzenlicht): Marc Elsberg, Blackout – Morgen ist es zu spät (Roman, Blanvalet 2012)
  18. Z. B. James Wesley Rawles, How to Survive the End of the World as we know it (Plume 2009), Lewis Dartnell, Das Handbuch für den Neustart der Welt (Hanser Berlin 2014), Gerhard Buzek, Das große Buch der Überlebenstechniken (Nikol 2016)